Egal, wie sehr Trendgurus immer wieder das Aufkommen neuer Besitzverhältnisse ankündigen, die Sehnsucht nach Wohnungseigentum, sei es das eigene Haus oder eine eigene Wohnung, ist in Österreich ungebrochen. Allein die Hürden bei der Erfüllung dieses Traums werden immer und immer höher.

Walter Hämmerle. 
- © Luiza Puiu

Walter Hämmerle.

- © Luiza Puiu

Dies hat nur zum Teil mit den aktuell steigenden Zinsen, den verschärften Regeln für Immobilienkredite, der allgemeinen Teuerung und den Reallohnverlusten für viele Arbeitnehmer zu tun. Es ist vor allem der Immobilienboom der vergangenen 10, 15 Jahre, der neuen Käufern den Einstieg verwehrt. Dass für heuer die Prognosen erstmals seit langem einen moderaten Preisrückgang bei Immobilien erwarten, wird eher keine nachhaltige Veränderung in den Markt bringen. Schon gar nicht, wenn die jüngsten Baukostensteigerungen gekommen sind, um zu bleiben – und anschließend immer noch weiter nach oben gehen.

So gesehen beweist Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) ein gesundes Gespür, wenn er seit Wochen für finanzielle Erleichterungen beim Immobilienkauf durch Jüngere wirbt. Zwischen dem Besitz der eigenen Wohnung und der Wahrscheinlichkeit, die Volkspartei zu wählen, besteht nach wie vor ein direkt proportionaler Zusammenhang, weshalb mehr Eigentümer auch mehr Wählerpotenzial für die ÖVP bedeuten – und wenig kann die unter Druck geratene Kanzlerpartei im Moment dringender gebrauchen. Konkret schlägt Brunner vor, die Grunderwerbsteuer in der Höhe von 3,5 Prozent sowie die Grundbucheintragungsgebühr über 1,1 Prozent des Kaufpreises beim Ersterwerb von Wohnungseigentum abzuschaffen. Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro wäre dies eine Entlastung von 18.400 Euro.

Das ist nicht nichts, andererseits aber auch nicht wirklich spielentscheidend. Dazu bedürfte es schon eines ausgefeilteren und vor allem umfassenderen Konzepts, bei dem auch die ökologische Komponente ein Faktor sein muss. Österreich ist bekanntlich Rekordhalter im Flächenverbrauch, und dieser soll und muss drastisch reduziert werden. Mit ein Grund für die steigenden Kosten ist die in den letzten Jahrzehnten rasant gewachsene Wohnfläche pro Kopf, und nirgendwo ist diese höher als im Eigentum, bei Häusern noch mehr als bei Wohnungen. Klügere, effizientere Lösungen - das heißt vor allem geringere Wohnfläche pro Person – sind ein Weg, den Traum von den eigenen vier Wänden wieder leistbarer zu machen, zumal dies auch die Betriebskosten senkt. Ein weiteres Mittel ist, das Horten von Bauflächen in den Gemeinden selbst besser, das heißt strenger zu steuern.

Ein attraktiver Weg, Eigentum zu erwerben, ist der Übergang vom Mieten zum Besitzen, wie ihn zahlreiche Wohnungsbaugenossenschaften ermöglichen. Hier hätte der Staat die Möglichkeit auf weitere und zielgenaue Unterstützung. Dieses Konzept ließe sich prinzipiell auch auf die Mieter von Gemeindewohnungen umlegen, und so neue Mittel für den Bau neuer Gemeindewohnungen zu lukrieren.

Doch bei diesem Thema zeigt sich, wie sehr die Eigentumsfrage noch ideologisch schwer vermintes Gelände in Österreich ist. Wer etwa in Wien diesen Vorschlag unterbreitet, wird mit dem Vorwurf, allein die (rote) Stadt entmachten zu wollen, konfrontiert. Mehr Gewicht hat da schon das Argument, dass die Verwaltung von Gebäuden, in denen sozial geförderte Mieter und nunmehrige Eigentümer unter einem Dach wohnen, komplizierter wird.

Im Kern jedoch ist die Schaffung von (Wohnungs-)Eigentum ein liberales Projekt, weil es die Unabhängigkeit und wirtschaftliche Freiheit der Menschen ganz grundsätzlich erhöht. Beides sind, jedenfalls für ein freiheitliches Gemeinwesen, erstrebenswerte Ziele. Dass es darüber hinaus die Wohnungskosten im Alter reduziert, wenn in der Regel weniger Einkommen verfügbar ist, spielt hier mit hinein. Ein umfassendes Konzept für die Wege zu diesem Ziel anstatt einer isolierten Forderung wäre deshalb wünschenswert.