Es ist ein wunderbares Ziel, alle Menschen wenigstens nach den gleichen Maßstäben zu behandeln und zu beurteilen. Vor allem ist es wunderbar illusionär, das gilt für uns als Einzelne im Privaten wie als Gesellschaft im öffentlichen Raum.

Walter Hämmerle. 
- © Luiza Puiu

Walter Hämmerle.

- © Luiza Puiu

Die schwerschwiegenden Vorwürfe gegen den bekannten und populären Schauspieler Florian Teichtmeister (es geht um den Besitz zehntausender kinderpornografischer Dateien), die am Freitag nach Abschluss der Ermittlungen bekannt wurden, sind nicht vom Himmel gefallen. Es gab schon früh mediale Anfragen und sogar Berichte, die jedoch keinen Aufschluss über die Identität der unter Verdacht stehenden Person gaben. Auch das Burgtheater als Arbeitgeber zog erst am Freitag Konsequenzen, als auch öffentlich wurde, dass Teichtmeister sich schuldig bekennen werde. Zuvor habe es keine Grundlage für arbeitsrechtliche Schritte gegeben und zudem sei die Unschuldsvermutung zu berücksichtigen gewesen, heißt es seitens des Bühnenhauses.

Ob dies die richtige Vorgehensweise war oder jedenfalls keine ganz falsche, soll nun offiziell geprüft werden. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer hat für ihren Bereich eine Untersuchung angeordnet.

Tatsächlich sticht die Ungleichbehandlung ins Auge im Vergleich zu anderen, in der Regel weit gelinderen Fällen strafrechtlicher Ermittlungen durch Justiz, Medien und der Öffentlichkeit insgesamt. Da ist die volle Namensnennung der Betroffenen eine Selbstverständlichkeit, Unschuldsvermutung hin oder her. Hier gilt, so heißt es im Fachjargon, der Maßstab des öffentlichen Interesses. Die vergangenen Jahre sind denn auch eine Geschichte der öffentlichen Ermittlungen, obgleich die Gesetze eigentlich das Gegenteil erfordern und erwarten lassen würden.

Diese Ungleichheit im Fall Teichtmeister sticht ins Auge. Auf der Suche nach möglichen Gründen hierfür landet man tief im allzu Menschlichen.

Strikte Neutralität gegenüber allem und jedem, welche die Grundvoraussetzung für Gleichbehandlung liefert, ist in unseren Gefühlen und Haltungen nicht vorgesehen. Sympathie oder Abneigung, Mitleid oder Schadenfreude, eine Neigung zu Voyeurismus oder Zurückhaltung, auch die Natur der Tat, die einer Person zum Vorwurf gemacht wird: Dies alles und noch viel mehr bestimmt, wie wir andere betrachten und behandeln, ganz unabhängig davon, was die Gesetze vorschreiben.

Nichts davon – oder bestenfalls sehr wenig - wird sich je ändern lassen; das entspricht der menschlichen Natur. Es ist nur so, dass wir uns wenigstens über die stattfindenden Ungleichbehandlungen und ihre möglichen Gründe als Einzelne wie als Gesellschaft ehrlich Rechenschaft ablegen und darüber öffentlich diskutieren sollten.

Bleiben noch der Schock und die Sprachlosigkeit angesichts von Tat und Täter. Das habe man, so ist nun häufig zu hören, der betroffenen Person nicht zugetraut; gemeint ist wohl: nicht zutrauen wollen; und dieser letzte Zusatz hat nichts mit Teichtmeister zu tun. Jeder Mensch ist zu allem fähig, immer und überall. Es geht darum, die dunklen Seiten unserer Natur zu zähmen und zu zivilisieren. Das hat nichts damit zu tun, wer wir sind, sondern damit, wie wir so wurden.