Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die Lufthansa verlangt von der AUA harte Einsparungsschnitte, das österreichische Tochter-Unternehmen schreibt Verluste. Mehr als
200 Millionen Euro müssen von irgendwoher kommen. Das kommt einem bekannt vor, die AUA muss seit Jahren sparen und schafft es doch irgendwie nie.

Die jüngere Geschichte der Airline ist ein Musterbeispiel standortpolitischen Versagens. Jahrelang wurde erklärt, die AUA könne alleine überleben. Sie konzentrierte sich auf Osteuropa, weil die heimischen Wirtschaftstreibenden dort ihre Geschäfte machen und irgendwie in vertretbarer Zeit hinkommen müssen. Der Flughafen Wien solle ein Drehkreuz für Destinationen nach Osteuropa werden.

Blöd nur, dass der Flughafen Wien und die AUA nie an einem Strang zogen - und die öffentlichen Eigentümer beider Unternehmen dies einfach hinnahmen. 2009 wurden der übernehmenden Lufthansa 500 Millionen Euro Steuergeld nachgeschmissen, weil das mit dem "stand-alone" doch nicht funktionierte. Der damalige AUA-Chef Alfred Ötsch und der damalige ÖIAG-Chef Peter Michaelis tragen dafür die Verantwortung - zur selbigen gezogen wurden sie nie. Der Flughafen Wien war großartig beim Überschreiten von Baukosten, aber auf die AUA schaute der Flughafen viel zu spät. Eine strategische Fehlleistung in jeder Hinsicht.

Nun gibt es die ernsthafte Möglichkeit, dass die Lufthansa Zug um Zug Osteuropa-Flüge nach München verlagert. Das ist die Drohung hinter den Lufthansa-Worten, es müsse sich etwas bewegen in Österreich: AUA-Kollektivvertrag weg, Flughafengebühren runter, Austro-Control-Gebühren runter. Die Republik Österreich hat dabei schlechte Karten - und für dieses schlechte Blatt auch noch 500 Millionen Euro ausgegeben.

Die ÖIAG, die sich auch seither nicht mit Ruhm bekleckert hat, bleibt davon unberührt, manche wollen sogar eine Infrastruktur-Holding aus ihr machen - mit Verbund und ÖBB. Eine gefährliche Drohung.

Wenn die Lufthansa mit der AUA nicht zu Rande kommt, könnte sie übrigens die Fluglinie wieder verkaufen. In andere Luftfahrt-Allianzen würde sie strategisch ohnehin besser passen. Das wird nicht passieren, denn zu solchen Ideen würde eine deutliche Standortpolitik gehören. Die gibt es aber nicht.