Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Die deutsche Bundesbank sagte es beneidenswert offen: Man sei froh darüber, dass die Kreditausfallversicherungen bei Griechenland schlagend werden, denn dies würde die Glaubwürdigkeit solcher Produkte erhöhen. Wenn diese CDS (credit default swaps) genannten Papiere nicht schlagend geworden wären, hätten sich wohl alle Marktteilnehmer gefragt, wozu es dieses Instrument überhaupt gibt. Und da dieser Markt insgesamt 32.500 Milliarden Dollar groß ist, hätte ein Zusammenbruch neue unbekannte Gefahren ausgelöst. Man sieht, auch in der Alchemie kann eine zwingende Logik stecken.

Österreich kostet die Erkenntnis - über die verstaatlichte Kommunalkredit -, dass ein kleineres Übel hingenommen wird, um möglicherweise ein größeres zu verhindern, 424 Millionen Euro. Blöd, irgendwie.

Besonders blöd, weil es durchaus regulatorischen Gepflogenheiten entsprochen hätte, wenn Nationalbank und Finanzmarktaufsicht auf diesen schlichten Umstand rechtzeitig hingewiesen hätten. Ganz besonders blöd, weil die Eigentümervertreter im Finanzministerium ihr Sachwissen aus diversen EU-Sitzungen nutzen hätten können, um die Kommunalkredit-Papiere rechtzeitig zu verkaufen.

Die Druiden der Finanzindustrie brauen ihre Zaubertränke, auf dass das Finanzsystem ewig halten möge. Kreditausfallversicherungen sind allein schon wegen ihres Volumens systemrelevant, sie bleiben also.

Die Politik hat ausnahmsweise rechtzeitig reagiert: Dies sei ein neuerlicher Hinweis, wie wichtig eine Finanztransaktionssteuer sei. Stimmt. Eines hat sie noch vergessen (und auch die deutsche Bundesbank): Diese Kreditausfallversicherungen finden im regulatorischen Vakuum statt. Wie viele dieser Papiere tatsächlich im Umlauf sind, wird nur geschätzt. Sie sind von keiner Behörde zugelassen, sie werden über keine Börse gehandelt, es gibt dafür keine Aufsicht.

Österreich sollte die neue 424-Millionen-Euro-Erfahrung wenigstens dazu nutzen, dies alles einzufordern - in der EU und in den vielen neuen Aufsichtsgremien, die es mittlerweile gibt. Denn es kann ja wohl nur Schwachsinn sein, dass eine simple Bausparkasse eine Banklizenz benötigt, während diese hochkomplexe Spekulation jeder machen kann.