Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Was ist die Jagd eigentlich? Ein Sport? Ein Geschäftsmodell? Eine Freizeit-Betätigung für richtige Männer und Ehrgeizlinge jeglichen Geschlechts? Eine Ansammlung von Bambi-Mördern? Wald-Pflege? Egal, von welcher Seite die Jagd betrachtet wird, diskreditiert ist sie derzeit in jedem Fall. Förster müssen immerhin Wild schießen, um das Gleichgewicht mit dem Wald zu erhalten, aber selbst die nennen sich mittlerweile "Natur-Manager".

Nebenerwerbs-Jäger kaufen sich Abschüsse - oder werden eben dazu eingeladen. Und damit beginnt das Problem generell und für die ÖVP im Besonderen. Die Landesjägermeister (die Jagd ist strikt föderal organisiert) sind in den waldreichen Bundesländern ÖVP-Politiker oder ÖVP-nahe Funktionäre. Und so ein Abschuss ist ganz schön teuer. Ein Jagdbetrieb in der Eisenwurzen etwa verkauft den Abschuss einer "Gams Klasse I" (sechs Jahre und älter) ab 2300 Euro netto. Der Tiroler Landeshauptmann Platter hat sich also bei seinen sieben Jagdeinladungen einen Haufen Geld erspart. Wenn er die Jagd mit einer Skitour mit Freunden vergleicht, hinkt der Vergleich doch ziemlich - wenigstens finanziell.

Das eigentliche Problem ist aber ein tiefenpsychologisches. Die Jagd war über Jahrhunderte das Vorrecht der Aristokratie: Die Fürsten jagten. Wer vom Volk jagte, war Wilderer und vogelfrei. Und etliche Politik- und Unternehmensführer glauben - von langjähriger Macht verwöhnt -, dass sie durchaus absolutistisch herrschen können. Zu den Symbolen solcher Macht gehört historisch betrachtet die Jagd. Wer jagt, hat das Sagen. Ein schönes Gefühl.

Bei Mensdorff-Pouilly trifft sogar alles zusammen: Er organisiert und betreibt nicht nur Jagden, er verfügt darüber hinaus auch noch über einen adeligen Stammbaum.

Mittlerweile ist auch Österreich auf dem unaufhaltsamen Marsch zu einer liberalen, demokratischen Gesellschaft. Mit dem Korruptions-Ausschuss ist dieser Marsch beim Machtinstrument Jagd angelangt. Das Zeitalter des Absolutismus geht zu Ende, und mit ihr die Jagd-Gesellschaft. Ein Abschuss wird nie billig sein, aber viele Jäger werden ihn sich künftig selber zahlen müssen - was wiederum deren Zahl reduziert. Aber keine Sorge: Jäger-Latein wird bei politischen Äußerungen und unternehmerischen Misserfolgen auch weiterhin hoch im Kurs stehen . . .