Der aktuelle Disput in der Weinviertler Gemeinde Stützenhofen zeigt, wie hart sich die katholische Kirche mit gesellschaftlichen Entwicklungen tut. Der Pfarrer will nicht mit einem Homosexuellen zusammenarbeiten und ist dafür sogar bereit, seine Gemeinde aufzugeben.

Das ist eine schon recht bemerkenswerte Einstellung zur Seelsorge. Und erinnert ein bisserl an den mittlerweile legendären Satz "Gosch’n halten, Hände falten".

Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Es offenbart aber auch einen Blick in eine Kirchen-Organisation, die nicht weiß, wohin sie sich wenden soll. Da steht dem demokratischen Element einer Pfarrgemeinderatswahl ein autokratisches Kirchenrecht gegenüber. Die kirchlichen Würdenträger versuchten bisher, das Beste beider Welten zu vereinen. Ein Versuch, der aus der säkularen Politik bekannt ist, aber eben nur ein Versuch.

In der Praxis prallen beide Welten aufeinander, weil die beiden Systeme nicht zueinander passen. Der Stützenhofener Pfarrgemeinderat wird mit Revolution wohl nichts im Sinn haben, und der Pfarrer wird vermutlich auch nicht so verbohrt sein, wie er jetzt daherkommt. Es ist in Wahrheit die Amtskirche, die sich nicht entscheiden kann, welchen Weg sie einschlagen soll.

Wenn die Ansicht des Pfarrers richtig ist, wäre es nur konsequent, die Räte seiner Gemeinde auch von ihm dekretieren zu lassen. Davor scheut die Kirche zurück, es wäre ein Rückfall in sehr alte Zeiten, als sich der Klerus auch die weltlichen Machthaber aussuchen konnte.

Eine Wahl hat in demokratischen Gesellschaften hingegen akzeptiert zu werden. Der Pfarrer von Stützenhofen bewies durch sein Vorgehen bloß, dass kirchliche Funktionäre autokratisch geprägt sind - und das kann ja nur an der Ausbildung liegen. Aus Kirchenmunde ist - auf Helmut Schüllers Ungehorsam-Initiative gemünzt - gerne zu hören, dass eine Öffnung zu weiblichen und homosexuellen Seelsorgern Kirchenspaltung bedeuten würde. Als Beispiel wird die anglikanische Kirche angeführt (übrigens auch eine Abspaltung von Rom).

Nun, der Satz ist entlarvend, denn er zeigt, dass es der römischen Kurie und seinen Anhängern vorrangig darum geht, Macht zu behalten. Der Pfarrer von Stützenhofen lebt in einer kleinen Gemeinde vor, was im fernen Rom proklamiert wird. Eine beunruhigende Entwicklung, vor allem für den Erzbischof von Wien.