Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

In Spanien, Italien und Großbritannien leben zusammen zirka 165 Millionen Menschen. Die drei Länder erwirtschaften knapp mehr als ein Drittel der Wirtschaftsleistung der EU. Von den 23 Millionen Arbeitslosen in Europa entfallen etwa elf Millionen auf diese drei Länder. Das Wirtschaftswachstum in diesen drei Ländern ist mit der Lupe zu suchen, und alle drei Länder haben sich zudem einen harten Budget-Sparkurs verordnet.

In der wirtschaftspolitischen Debatte in Österreich wird gerne auf das Inland und das benachbarte Deutschland geschaut, so nach dem Motto: Was für eine Krise? Faktum ist aber, dass Italien, Großbritannien und Spanien für etwa 13 Prozent der heimischen Exporte stehen und Spanien darüber hinaus das "Tor" zu Südamerika darstellt.

Wenn also diese Länder nun beginnen, ihre Budgets brutal zu sanieren, so muss umgekehrt auch allen klar sein, dass es hierzulande niemandem egal sein kann, wenn ein Drittel der EU-Wirtschaft den Bach runtergeht. Wenn also Währungsfonds, US-Finanzminister Geithner und nun auch Wirtschafts-Nobelpreisträger Stiglitz Europa vor "exzessivem Sparen" warnen, so hat das einen guten Grund. Nicht nur die Banken in Europa sind untrennbar miteinander vernetzt, auch die arbeitsteilige Real-Wirtschaft ist es.

Mittlere Länder wie Österreich sind besonders von den anderen abhängig, weil heimische Betriebe wegen ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit natürlich viel mehr produzieren, als im Inland benötigt wird.

Wenn also die großen Polit-Vereinfacher ausrücken und erklären, wir schmeißen Griechenland aus der Eurozone raus, und - logischerweise - als Nächstes Portugal, Spanien und am Schluss Italien, sollte ihnen besser niemand folgen. Für die heimische Industrie wäre es ein vollkommenes Desaster. Und - ehrlich - wer wird schon gerne arbeitslos, nur damit er "allan daham" ist?

Die Regierungen der EU-Länder müssen ihre Verantwortung dafür auch schultern: Das EU-Budget darf nicht verkleinert werden. Es sollte vielmehr ausgeweitet werden, auch wenn das höhere Mitgliedsbeiträge bedeutet. Aber viele Budgets gibt es in Europa nicht mehr, die Investitionen auslösen. Man kann sich auch zu Tode sparen. Und Europa sollte beginnen, auf die Ratschläge der Freunde zu hören...