Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Russlands Präsident Wladimir Putin zeigte sich seinen Besuchern zwar gastfreundlich, aber kühl - trotz der wirtschaftlichen Probleme Russlands. Seine Besucher, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, sind politisch ja in der Tat Leichtgewichte.

Womit - auch mit einem Blick auf die Finanzmärkte, die langsam wieder in den Panik-Modus umsteigen - das Dilemma erklärt ist: Die EU ist wirtschaftlich eine Macht, aber politisch inexistent. Der Rubel hat deutlich an Wert verloren, denn Russland hängt immer noch stark von den Energieexporten ab. Wenn das Wachstum in der EU schwächelt, verkaufen die Russen auch weniger Gas.

Politisch dagegen ist die EU viel zu schwach, um Russland beim Thema Syrien stärker unter Druck zu setzen. Die Russen unterstützen den Machthaber Bashar al-Assad, auch mit Waffen - die dieser gegen das Volk einsetzt. Anstatt Russland, das wirtschaftlich stark an Europa hängt, damit politisch unter Druck zu setzen, gab es den bloßen Austausch gegensätzlicher Positionen. Putin dreht sich politisch eher um, orientiert sich Richtung China - und ist auch gleich nach dem Gespräch mit den EU-Spitzen nach Peking geflogen.

Denn die EU hat wenig zu bieten: Wenn Spanien unter den Euro-Rettungsschirm flüchtet, wird das Chaos vorerst wohl noch größer. Nicht nur die USA, sondern auch Russland und China schauen mit Bestürzung auf das zeitraubende Krisenmanagement der Europäer. Börse-Investoren ziehen sich tendenziell zurück - darunter wohl auch russische.

Es wäre also vermutlich besser gewesen, wenn Barroso und Van Rompuy stärker wirtschaftliche Themen besprochen hätten, wie Rechtssicherheit für Investoren in Russland. Beim Thema Syrien hatten die beiden wenig zu plaudern.

Denn die EU hat keine außenpolitische Strategie - ein grobes Versäumnis der EU-Kommission. Zwar wurde mit Pomp und viel Geld ein diplomatischer Dienst aufgebaut, aber es gibt keine Strategie bezüglich wichtiger Weltregionen. Weder zu Arabien noch zu Indochina.

Erst wenn die EU ein tatsächliches politisches Gebilde ist, wird das Wort von Kommissions- und Ratspräsident in der Welt Gewicht haben. Aber dann werden die beiden wohl nicht mehr Barroso und Van Rompuy heißen.