Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Das ist jene Summe an frischem Geld, das die vier größten Zentralbanken der Welt seit 2008 in den Markt gepumpt haben. Zumeist wurden Staatsanleihen gekauft. Und es schaut so aus, als ob die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die Bank of Japan keine andere Möglichkeit haben als weiteres Geld zu drucken.

Wenn aber die Notenbanken zum Bankomat der Staaten werden, was steht am Ende? Viele warnen vor der Gefahr der großen Inflation: Wenn immer mehr Geld im Umlauf ist, wird es am Ende weniger wert sein.

Die Frage könnte freilich auch umgedreht werden: Was würde passieren, wenn die größten Notenbanken der Welt dies nicht gemacht hätten beziehungsweise machen würden. Nun, dann hätten diese Staatsanleihen am Markt platziert werden müssen. Ein Teil davon hätte keine Käufer gefunden. Sprich: Die Staaten hätten das Geld nicht zur Verfügung gehabt. Der größere Teil hätte wohl zu immens hohen Zinsen private Käufer gefunden.

Die These, dass unter solchen Bedingungen schon einige Länder pleite wären, ist nicht sehr gewagt. Was dies wiederum ausgelöst hätte, daran wagen Politiker nicht zu denken. Mit Sparbudgets wäre es da nicht getan gewesen.

In der Abwägung, soziale Systeme zusammenbrechen zu lassen oder Geld zu drucken, hat sich die Welt fürs Gelddrucken entschieden.

Nun steht Europa erneut an einem Scheideweg. Denn mit dem Öffnen der Geldschleusen lässt sich Zeit kaufen, aber kein Problem lösen. Zeit, die von den EU-Regierungen bisher nicht gut genutzt wurde. Nun werden die Notenbanken also noch einmal die Druckmaschinen anwerfen, in der Hoffnung, dass die Regierungen die zweite Halbzeit nicht auch noch verschlafen.

Diese Gefahr ist durchaus gegeben, denn mit dieser Strategie haben die Notenbanken zweifellos einen Teil ihrer Unabhängigkeit aufgegeben. Sie sind nun von den Staaten, deren Gläubiger sie sind, erpressbar geworden. Politiker tendieren dazu, derartige Vorteile zu nutzen.

Die Notenbanken allerdings haben nur die Wahl zwischen Pest und Cholera - und befinden sich mit ihren Prognosen mittlerweile im religiösen Bereich: Sie glauben, dass dies alles irgendwann greifen wird. Von Wissen kann dabei keine Rede sein. Dem Bürger bleibt dagegen nur die Hoffnung, dass die Notenbanker richtig glauben.