Nur zur Sicherheit und weil es in dem Schwall an TV-Duellen der jeweiligen Spitzenkandidaten für den durchschnittlichen Bürger untergehen zu droht: Die exakt 6.381.495 Wahlberechtigten wählen am kommenden Sonntag weder einen Bundeskanzler noch einen Hecht im Karpfenteich und schon gar nicht endlich einmal einen, der auch etwas von der Wirtschaft versteht, sondern schlicht und einfach 183 Abgeordnete zum Nationalrat.

Die Vorstellung mag angesichts der Realität gewagt sein, aber in der Fiktion von Repräsentativität ist es genau die Schwarmintelligenz dieser Einhundertdreiundachtzig, die sicherstellen soll, dass die bestmöglichen Gesetze für dieses Land beschlossen werden. Wem diese Konstellation völlig jenseitig erscheint, hat keine Ahnung, was am 29. September tatsächlich zur Wahl steht. Diese Einhundertdreiundachtzig hätten es tatsächlich in der Hand, Österreich von Grund auf - und nach ihrem alleinigen Gutdünken - neu zu gestalten, sogar die Verfassung wäre Wachs in ihren Händen.

Einige Grenzen sind dem autonomen Tun und Walten der Einhundertdreiundachtzig dann aber doch gesetzt, etwa wenn es um internationale Belange, Europafragen oder Einschränkungen der Menschenrechte geht. Dennoch, die Vorstellung, dass es nur die richtigen Einhundertdreiundachtzig von zur Verfügung stehenden sechs Millionen sein müssten, um ewige Baustellen zu beheben, verführt durchaus zum Träumen.

Das kann, so denkt man sich im Stillen, doch unmöglich so schwer sein: Einhundertdreiundachtzig fleißige, geistig so unabhängige wie materiell uneigennützige und, natürlich, ehrliche Persönlichkeiten mit eigenem Kopf zum Denken in diesem Land zu finden. Das sollte sogar auch dann locker möglich sein, wenn ausschließlich eingeschriebene Mitglieder der kandidierenden Parteien zum Zug kommen.

Doch Politik ist nichts für Träumer. Wer solchen Gedanken nachhängt, wird rüde aufgeweckt mit der allgegenwärtigen Botschaft, wonach es ja angeblich auf den Kanzler ankommt. Und von dem kann es bekanntlich nur einen geben. Die Sache mit der Schwarmintelligenz der Vielen hat sich offensichtlich noch nicht bis zu den politischen Eliten herumgesprochen. In diesen Kreisen zaubert die Fiktion von der theoretischen Allmacht der Einhundertdreiundachtzig nicht einmal ein Lächeln auf die Lippen.