Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Wladimir Putin, Russlands Präsident, ist nur wenige Stunden in Wien, doch die genügen, um die Unterschrift zur South-Stream-Pipeline zu besiegeln. Und das ist ohnehin der einzige Grund, warum er nach Wien kommt. Die Kooperation mit dem heimischen Energiekonzern OMV bei der Gaspipeline reißt ein tiefes Loch in die Bemühungen der EU, die Energieabhängigkeit von Russland zu reduzieren. OMV-Chef Roiss begründet die Partnerschaft damit, dass es sinnlos sei, ohne Gas aus Russland auszukommen. Die nette Interpretation des Satzes lautet, dass Gerhard Roiss ein besonders pragmatischer Manager ist.

Allerdings war es derselbe Roiss, der im Juni vorigen Jahres das endgültige Scheitern der Nabucco-Pipeline verkündete. Diese Leitung sollte Erdgas aus Aserbaidschan - unter Umgehung Russlands - durch die Türkei und Bulgarien nach Westeuropa pumpen. Putin und Gazprom torpedierten das Projekt, wo sie konnten, mit Erfolg. Dieser Erfolg gründete auch in einer antriebslosen EU-Kommission, die dieses Energieprojekt an den nationalen Fliehkräften scheitern ließ. Das - deutlich kleinere - Alternativprojekt TAP, das über Griechenland Gas nach Süditalien liefern soll, steht mittlerweile auch an der Kippe. Die großen Energiekonzerne EON (Deutschland) und Total (Frankreich) wollen aussteigen.

Im Angesicht der Ukraine-Krise redet nun Europa gerne von einer "Energie-Union". Bis die kommt, hat Putin - siehe Wien-Besuch - längst Fakten geschaffen. Und da kommt die weniger nette Interpretation der Roiss-Äußerungen zum Tragen. Natürlich ist Energie und ihre Verteilung eine eminent geopolitische Frage. Wie in Rüstungsfragen gibt es dabei keine rein wirtschaftliche Sichtweise, die Politik spielt immer und entscheidend mit.

Ein Beispiel: Wenn sich rund um den drohenden Zerfall des Irak die westlichen Beziehungen zum Iran so weit entspannen, dass dessen Gas-Vorkommen wieder genutzt werden können, spielen die sogenannten "-stan-Republiken" am Kaspischen Meer nicht mehr die Hauptrolle. Was werden Manager wie Gerhard Roiss dann sagen?

Auch die europäischen Regierungschefs werden am Donnerstag wieder viel reden. Um die Energie-Union werden sie einen weiten Bogen
machen, denn da ist sich jeder der Nächste. Wladimir Putin wird das mächtig freuen, denn das uneinige Europa ist die Grundlage seines Geschäftsmodells.