Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Globale Unternehmen denken in materieller Hinsicht gar nicht so anders als jeder private Haushalt. Überschaubare Risken, keine bösen Überraschungen, Berechenbarkeit. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat aber im achten Jahr eine neue Facette gebracht, die dies alles ins Wanken bringt: Währungsschwankungen.

Euro, Dollar, Franken, Rubel - alles hüpft lustig binnen weniger Tage und Wochen um 20 bis 40 Prozent auf und ab. Das gesamte Gefüge ist außer Rand und Band, und in einer globalen Wirtschaft ist dies das Gegenteil von lustig. Die heimischen Franken-Kreditnehmer können davon ein Lied singen, doch aus große US-Konzene, die viele Produkte in Europa verkaufen, verdienen daran plötzlich 20 Prozent weniger.

Ein gutes Geschäft sind die Währungsschwankungen nur für Finanzinstitute, die sich damit beschäftigen. Doch Devisenhändler machen nur einen Bruchteil der Weltbevölkerung aus, und tragen wenig zur Wertschöpfung bei.

Natürlich gibt es auch Gewinner. Die Schweizer fahren ins billige Österreich, italienische Autos sind in Übersee plötzlich wieder deutlich wettbewerbsfähiger.

Auf die Dauer sind diese Ausschläge aber kontraproduktiv, denn sie zeigen nicht die Leistungsfähigkeit, sondern nur die Örtlichkeit eines Unternehmens.

Da es einen gerechten Wechselkurs aber nicht gibt, müssen die jeweiligen Zentralbanken eingreifen, um gröbere Verwerfungen zu vermeiden. Bis zu einem gewissen Grad. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, den 1,20-Kurs zum Euro nicht länger zu halten, war kein Kalkül, sondern sie hätte es sich nicht leisten können. Vor 1970 hat es auf der Welt das Bretton-Woods-System gegeben, das auf Basis des Goldbestandes Währungen bewertete. Da die Zentralbanken erhebliche Goldbestände hatten, war dies also gestaltbar. Diese Zeit ist vorbei, doch eine berechenbare Bandbreite der Währungen zueinander wäre durchaus vorteilhaft.

Denn nun wird Folgendes passieren: Irgendwann wird die chinesische Nationalbank den Euro-Verfall nicht mehr hinnehmen, und massiv Euro kaufen. In einer Welt wie dieser werden dann wieder alle überschießend reagieren, der Euro wird überproportional aufwerten. Damit geht das Spiel erneut los. Verlierer in dem Spiel sind produzierende Betriebe, nur die Gewinner bleiben gleich: Ein paar Devisenhändler.