Chefredakteur Reinhard Göweil.
Chefredakteur Reinhard Göweil.

"Gegen eine Beteiligung an den Blöcken IV und V der Achimov-Formation des Urengoi-Erdgas- und Kondensatfelds in Westsibirien erhält Gazprom in Form eines Asset-Tauschs das Erdgashandels- und -speichergeschäft."

Nein, es geht dabei nicht um die heimische OMV, sondern um den deutschen Konzern BASF. Der hat Ende September das beschriebene Milliardengeschäft mit dem russischen Gasmonopolisten fixiert. Es könnte sich aber um die OMV handeln. Eine ganz ähnliche Grundsatzvereinbarung hat der neue OMV-Chef Rainer Seele mit den Russen kürzlich abgeschlossen. (Seele war davor BASF-Manager war.)

Warum ist das erwähnenswert? Weil die OMV dafür bestenfalls 25 Prozent an einem sibirischen Erdgasfeld und 9,8 Prozent an einer russischen Pipeline (Nord Stream 2) erhält. Die Pipeline endet freilich an der deutschen Ostsee und hat keine Anbindung an Österreich. Die OMV wird also viel Geld investieren, ohne große Mitsprache und ohne Einfluss auf die Energie-Versorgung. Das ist kurios.

Dafür hat die neue OMV-Führung beschlossen, 49 Prozent ihrer Tochter Gas Connect (Leitungsnetz) zu verkaufen. Wozu, bleibt ein Geheimnis. Das hochprofitable Unternehmen verdiente in den vergangenen Jahren durchschnittlich 100 Millionen Euro pro Jahr und passt perfekt in die Strategie der OMV.

Die Aushöhlung des industriellen Flaggschiffes OMV ist also in vollem Gang, und die staatliche Holding ÖBIB (früher ÖIAG) als Hauptaktionär schaut einfach zu. Das musste schon bei der AUA und danach bei der Telekom Austria beobachtet werden. Es endete jeweils, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, im Desaster. Riesige Vermögenswerte wurden vernichtet. Und die Regierung? Auch die schaut zu, wie das nächste Filetstück heimischer Industrie zerstückelt und von Dritten verspeist wird. Die plötzliche Ausrichtung der OMV an Russland müsste zudem politisch diskutiert werden. Wird sie aber nicht.

Eine Re-Verstaatlichung der OMV ist kein Ausweg und zweifellos schwerer Unsinn. Doch das offenbare Fehlen jeglicher Industriepolitik ist ebenso fatal. Es wäre hoch an der Zeit, dass sich die Regierung zu einer klaren Strategie aufschwingt. Andernfalls wird sie in Kürze feststellen, dass die Republik an einer OMV beteiligt ist, die zu einer wertlosen Hülle geworden ist. Und das ganz ohne Privatisierungsauftrag . . .