Österreich im Herzen Europas fest zu verankern: Das war das politische Lebensthema von Alois Mock. Dazu gehörte für ihn, die Zäune, die unseren Kontinent für Jahrzehnte in zwei Hälfte trennten, zu durchschneiden. Sein Mittel zu diesem Zweck war der Beitritt Österreichs zur Europäischen Gemeinschaft 1995.

Das war nicht allein seine Leistung, aber sein Beitrag war ein maßgeblicher. Mock war Europa-verrückt und -begeistert im besten Sinne. Die Zuversicht und Aufbruchsstimmung, die damals das Land erfassten, erscheinen heute wie Erzählungen aus einer untergegangenen Welt. Statt des Traums von einem vereinten und starken Europa bestimmen Dystopien vom Ende des Europäischen Projekts die Schlagzeilen.

Alois Mock dürfte darüber - ungläubig und wohl auch ein wenig ratlos - den Kopf geschüttelt haben ob des Umgangs der Heutigen mit seinem Erbe. Am Donnerstag hat die Zweite Republik einen ihrer prägendsten Baumeister verloren.

Just übrigens zu einem Zeitpunkt, an dem mit Leidenschaft über eine Überführung dieser Republik in eine europäische diskutiert wird. Einige Dichter und Denker sowie die Grünen und Neos plädieren für die - zugegeben noch sehr vage - Idee einer europäischen Republik der starken Regionen.

Wozu Österreich? Diese Frage ist damit, fast 100 Jahre nach der Ausrufung der Republik und am Ende eines mindestens ebenso langen Kriegs zwischen SPÖ und ÖVP, zurück auf der politischen Tagesordnung. Oder sollte es eigentlich sein. Immerhin sind wir damit nicht allein. Wer wir sind und künftig sein wollen: Diese Fragen treiben alle europäischen Gesellschaften um, und längst nicht nur diese.

Was ist also die Staatsidee Österreichs - oder könnte es jedenfalls sein? Darauf erntet man zwischen Neusiedler- und Bodensee allenfalls Schweigen; seit Jahrzehnten hat kein Politiker mehr darüber öffentlich geredet.

Nach 1945 war ein selbständiges Österreich der beste Weg zu Frieden, Wohlstand und Freiheit (in dieser Reihenfolge). Und heute, da die äußeren Grenzen durch Globalisierung und Integration zusehends verschwimmen, stellt sich erneut die Frage, was uns als Staat zusammenhält.

Vielleicht sind ja die großen Parteien im kommenden Wahlkampf so gnädig und geben uns ein paar Antworten.

Alois Mock hätte es sicher auch interessiert.