Unter reger Anteilnahme einer kritischen Öffentlichkeit ereignet sich derzeit eine Debatte darüber, was es heute bedeute, links zu sein. Das ist natürlich eine in der Tat spannende und angebrachte Diskussion, zumal viele politisierte Bürger diese Zuordnung für sich in Anspruch nehmen und darin so etwas wie einen Wegweiser in eine bessere Welt erkennen. Da kann man schon verstehen, dass man wissen will, wohin die Reise gehen soll.

Auf der gegenüberliegenden und doch korrespondierenden Seite des politischen Denkens herrscht dagegen intellektuelle Funkstille darüber. Die Stille in der Debatte, was es in der Gegenwart bedeutet, politisch rechts eingestellt zu sein, ist sogar ohrenbetäubend. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum es vielen Menschen so leicht fällt, die elementaren Unterschiede zwischen rechts und rechtsextremen Überzeugungen einfach zu verwischen. Dabei prägten konservative Ideen das moderne Reden und Denken über die Politik, den Staat und das menschliche Zusammenleben mindestens so sehr wie ihr progressiver Gegenentwurf.

Die Theorie macht die Unterschiede zwischen links und rechts in der Regel am Zugang zu Fragen wie der Rolle des Einzelnen im Verhältnis zur Gesellschaft, Familie, aber auch Werten wie Freiheit, Gleichheit oder Nachhaltigkeit fest.

Der zentrale Gegensatz ist aber wahrscheinlich die jeweilige Erwartungshaltung mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft. Während die Linke überzeugt ist, die Menschheit zum Besseren verändern zu können, steht die Rechte diesem Unterfangen grundsätzlich skeptisch bis misstrauisch gegenüber. Das Credo lautet hier: Jeder Mensch ist zu allem fähig, immer und überall. Die Geschichte hat diesen Pessimismus ein ums andere Mal bestätigt.

Wie passt diese Beschreibung von links und rechts zur aktuellen österreichischen Politik? Überhaupt nicht. Der Standort bestimmt hier den Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das einzige Kriterium ist, ob die eigene Partei damals regiert hat oder heute regiert. Dann ist natürlich alles eitel Wonne, ansonsten herrscht Weltuntergangsstimmung. Das erfüllt zwar den Tatbestand der eigenen Intelligenzbeleidigung, hilft aber offensichtlich, in einer komplizierten Welt den Überblick zu behalten.

Mehr muss man über die Krise des politischen Denkens eigentlich gar nicht wissen.