Simon Rosner.
Simon Rosner.

Als unter Schwarz-Blau im September 2000 über Nacht die Einführung von Studiengebühren beschlossen wurde, war erstens die Aufregung riesig - verständlich, zweitens aber eine wichtige Debatte über grundsätzliche Ziele von Hochschulpolitik und über Wege, Mittel und Notwendigkeit einer Zugangssteuerung im Keim erstickt. Der emotionale Konflikt über Gebühren übertönte diese Fragestellungen fast gänzlich.

Bei erster Gelegenheit, der legendären Nacht der offenen Staatskassa 2008, wurden die Studienbeiträge wieder abgeschafft. Jahre später kam dann eine große internationale Studie zum Schluss, dass moderate(!) Studiengebühren, wie eben auch in Österreich, fast keinen Effekt haben: Sie bringen den Unis wenig, verbessern die Qualität der Lehre nicht, Auswirkungen auf die sozio-ökonomische Herkunft der Studierenden sind nicht nachweisbar. Auch wenn eine Studie noch keinen Beweis macht, deutet sie doch daraufhin, dass damals jedenfalls eine unzureichende Antwort auf wachsende Finanzierung- und Qualitätsprobleme an den Unis gegeben wurde. Einige akute Fälle, wie etwa im Medizinstudium, wurden seither nur erstversorgt (Aufnahmetests, Quote).

Den Fehler von damals hat die neue ÖVP-FPÖ-Regierung nicht gemacht, auch wenn Studiengebühren geplant sind. Doch zumindest vorerst kommen sie nicht, dafür andere Zugangsbeschränkungen. Wie immer man auch zu ihnen stehen mag, sind sie nicht so emotional besetzt wie Studiengebühren. Das öffnet Raum für eine sachlichere Debatte über nach wie vor virulente Fragen zu Finanzierung und Qualität des Studiums in Zeiten enger Budgets und steigender Studenten- und Studentinnenzahlen.

Klar, auch eine Ausweitung von Aufnahmetests bedeuten ein (schleichendes) Ende des freien Studienzugangs. Doch wirklich "frei" ist der Studienzugang real offenbar auch ohne Gebühren nicht. Vor allem unter sozioökonomischen Aspekten betrachtet.

Seit der Kreisky-Ära wurden nur zwischen 2001 und 2008 Gebühren eingehoben, dennoch liegt die Akademikerquote in Österreich unter dem OECD-Durchschnitt. Warum? Bei vielen Fachhochschulen muss ein Beitrag geleistet werden, und es gibt Aufnahmetests. Dennoch studieren dort anteilsmäßig mehr, deren Eltern über eine geringe formale Bildung verfügen: Warum? Auch auf diese Fragen braucht es endlich Antworten.