Thomas Seifert ist stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung". - © WZ
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Zumindest für die Devisenhändler auf den internationalen Währungsmärkten war es ein guter Tag. Die Kursgraphen des kanadischen Dollar und des mexikanischen Peso zeigten nach oben, als bekannt wurde, dass die USA, Kanada und Mexiko sich auf eine neue Handelsvereinbarung namens USMCA (USA-Mexico-Canada-Agreement) geeinigt haben. USMCA löst das von US-Präsident Donald Trump stets verteufelte bisherige Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - Nafta) ab.

Einige der neuen Regelungen: US-Milchbauern bekommen einen besseren Zugang zum kanadischen Markt, zugleich müssen zukünftig Autos, damit sie zollfrei importiert werden können, einen 75-prozentigen Wertschöpfungsanteil in Mexiko oder den USA aufweisen - bisher lag die Latte bei 62,5 Prozent.
40 Prozent der Wertschöpfung müssen zudem aus Fabriken stammen, in denen der Mindestlohn mindestens 16 Dollar pro Stunde beträgt.

Für US-Präsident Trump ist USMCA jedenfalls ein voller Erfolg: Denn auch wenn USMCA nicht viel mehr ist als ein runderneuertes Nafta 2.0, so kann er für die am 6. November anstehenden Zwischenwahlen darauf verweisen, dass er dabei ist, sein protektionistisches "America First"-Programm umzusetzen: "Das ist ein großartiger Deal für alle drei Länder", twitterte der US-Präsident folgerichtig am Montag. "USMCA ist ein historischer Abschluss."

Für die europäische Wirtschaft sind das keine guten Nachrichten - einerseits: Denn USMCA bedeutet eine stärkere Abschottung des nordamerikanischen Marktes und stärkt die protektionistischen Kräfte innerhalb der US-Administration. Andererseits gibt das Handelsabkommen jenen in Europa Hoffnung, die darauf bauen, mit den Vertretern von "America First" zu einem neuen Handelsgleichgewicht zu finden: Diese Kräfte pochen nun darauf, dass die EU nun ihrerseits auf ein Handelsabkommen mit den USA bauen sollte.

Es gibt aber noch eine Menge an politischer Unsicherheit rund um USMCA: Denn ratifiziert werden kann das Abkommen erst nach den US-Zwischenwahlen - wobei davon auszugehen ist, dass die Demokraten bei diesem Urnengang das Repräsentantenhaus zurückerobern werden. Wie sich die Demokraten - für die die Gewerkschaften eine wichtige Stütze sind - in Handelsfragen dann positionieren, wird man erst sehen.

Eines ist jedenfalls klar: Das vor knapp einem Vierteljahrhundert in Kraft getretene Nafta-Abkommen war einer der wichtigsten Schritte auf der Etappe in eine Ära des freien Welthandels.

Diese Ära wird unter Trumps Regentschaft nun Schritt für Schritt rückabgewickelt.