Ein kaum bekannter Geburtshelfer der Republik

Es ist erstaunlich und unverständlich, dass bei allen Republik-Feiern der Name von Heinrich Lammasch kaum erwähnt wurde, der in den letzten Tagen der Monarchie bei deren friedlichem Ende und dem Verzicht des Kaisers auf den Thron eine wichtige Rolle spielte, nachdem er die Jahre davor unermüdlich vor der Katastrophe gewarnt hatte.

Karl Renner hat dies erlebt und gerühmt: "Die spätere Forschung wird erweisen, welch großes Verdienst Lammasch sich an allen Völkern der Monarchie erwarb, indem er sich für die unblutige Lösung einer unhaltbar gewordenen Gemeinschaft einsetzte." Karl Kraus sprach in seinem Nachruf auf Lammasch den Wunsch aus, "dass die Zeit, die seines Lebens nicht würdig war, durch sein Andenken Ehre gewinnen möge". Ein Wunsch, der bis heute unerfüllt ist.

Dieter Köberl,

1130 Wien

Nicht alle durften
Österreicher sein

Bei Veranstaltungen und in den Medien wurde des Endes des Ersten Weltkriegs 1918 gedacht und auch das Leid der österreichischen Bevölkerung erwähnt. Nur sehr selten wird an die fast vier Millionen deutschsprachigen Österreicher gedacht, die anderen Staaten zwangsweise zugeordnet wurden.

Die sogenannten Sudetendeutschen aus Böhmen und Mähren kamen damals zur neugegründeten Tschechoslowakei und die Südtiroler zu Italien. Das Selbstbestimmungsrecht, das anderen Volksgruppen gewährt wurde, blieb diesen Österreichern verwehrt. In weiterer Folge hat diese Konstellation wesentlich die politische Entwicklung in Europa bestimmt.

Kurt Gärtner,

4600 Wels

Zum Artikel von Walter Hämmerle, 10. November

Landwirtschaft ohne
allzu viel Chemie

Den Ausführungen ist in einem Punkt zu widersprechen: "Der neue Staat stand ohne (. . .) Ackerflächen da." Gerade darüber verfügte Österreich damals jedoch mehr als heute. Woran es fehlte, waren Arbeitskräfte zur Bearbeitung (die jüngeren und kräftigeren Männer waren eingerückt, die ausländischen Kriegsgefangenen kehrten in ihre Heimaten zurück), die brauchte man wegen des geringen Mechanisierungsgrades der Landwirtschaft, und Stickstoff als Basis der Düngemittel wurde bis Kriegsende für die Herstellung von Munition verbraucht.

An Agrarchemie fehlte es - doch die Natur war (eben deshalb) in weit besserer Verfassung als 100 Jahre später. Der 87 Jahre alte Schreiber dieser Zeilen erinnert sich an die geradezu fantastische Fülle bunter Feldblumen, prächtiger Schmetterlinge, summender Insekten und zwitschernder Vögel, die es in seinen Jugendjahren noch allenthalben gab.

Dr. Franz Rader,

per E-Mail

Staatliche Repressionen
gegen Katalonien

In diesen Tagen hat sich auch der Tag gejährt, an dem Kataloniens Regionalparlament die Katalanische Republik ausrief. Seit dem 27. Oktober 2017 hat die Repression nur zugenommen: Sieben politische Anführer sind im Exil in drei verschiedenen Ländern, und neun politische und zivile Anführer sitzen im Gefängnis. Hunderte weitere Personen werden in unterschiedlichen Gerichtsverfahren angeklagt.

Diese Repression dauert trotz des Regierungswechsels immer noch an: Die Regierung von Pedro Sánchez (PSOE) ist auch nicht bereit, eine Lösung des Konfliktes in der Form eines vereinbarten Referendums zur Selbstbestimmung anzubieten. Der spanische Staat weist eine klare autoritäre und imperialistische Tendenz auf, wie etwa eine neuerliche Aussage eines Ex-Ministers von der Volkspartei beweist, in der er zugab, dass die spanische Zentralregierung sich niemals ohne Gewalt von Katalonien zurückziehen würde.

Ein großer Teil der katalanischen Gesellschaft ruft deshalb Europa auf, sich auf die Seite der Freiheit und der Menschenrechte zu stellen, die bei uns seit mehr als einem Jahr verletzt werden.

Joana Cortils,

08036-Barcelona, Spanien