Zur Kolumne von Christian Ortner, 1. Februar

Böse Konsequenzen
der Null-Zins-Politik

"Nie wieder Zinsen", titelt Christian Orter, und der Leser fragt sich: "Warum ist man da nicht schon früher draufgekommen?" Auch darauf, dass es offensichtlich unschädlich (entgegen der bisherigen Volkswirtschaftslehre) ist,
2,6 Billionen Euro zu drucken - ohne Gegenwert im BIP. Das hat natürlich Folgen. Ganze Geschäftsmodelle gehen den Bach runter, zum Beispiel die Lebensversicherung, überhaupt jede Kapitalansammlung zum Zweck der Vergabe als Kredite.

Ich fürchte allerdings, dass das Naturgesetz "Jedes Ding hat zwei Seiten" noch nicht außer Kraft ist. Die nächste Rezession wird ja schon angekündigt. Und ein zweites Naturgesetz lautet: "Je später desto krach!"

Jürgen Jauch,

4040 Linz

Überlegungen zur
Rolle des Geldes

1. Angenommen sei: Geld ist ein Tauschmittel für Dienstleistungen und Waren. Waren und Dienstleistungen sind einer gewissen Wertminderung (sei es durch Gebrauch, Inflation etc.) unterworfen. Wo ist die Tragik, wenn das sich nicht im Umlauf befindliche Tauschmittel dafür ebenfalls einer dementsprechenden Wertminderung unterworfen ist?

2. Angenommen sei: Spareinlagen ergeben sich (meist) aus nicht zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung notwendigen Überschüssen. Steht es nicht jeder Person frei, diese Überschüsse zu reduzieren (durch weniger Arbeit)?

3. Angenommen sei: Spareinlagen bilden Rücklagen zur zukünftigen Bedürfnisbefriedigung. Woher wird das Recht abgeleitet, dass diese Bedürfnisbefriedigung in der Zukunft zu heutigen Bedingungen zu gewährleisten ist?

4. Angenommen sei: Mehr Aufwand bedeutet mehr Ertrag. Wo ist die Malaise, wenn aus dem Aufwand einer komplexen Geldanlage (Aktien, Fonds, Derivate) mehr Ertrag zu erwarten ist?

5. Angenommen sei: Die von Christian Ortner (nicht näher ausgeführten) "Defizite, Abhängigkeiten und Dysfunktionalitäten" einer kreditgestützten Gesellschaft träfen ein. Ist es nicht gerade der Mensch, der immer wieder neue Gesellschaftstypen, sei es aus Not oder Möglichkeit, entwirft?

Josef M. Daubek,

3062 Kirchstetten

Falsche Versprechungen
für Katalonien

Ohne Katalonien und die Katalanen wäre in den vergangenen zwei Jahrhunderten keine Bewegung im politischen Systems Spaniens erfolgt: Es hätte weder die Erste noch die Zweite Republik, noch einen Wechsel des Franco-Regimes gegeben, noch wären die Sozialisten an die Macht gekommen, noch wäre es José María Aznar gelungen zu regieren. Die Rechten und die Linken in Spanien haben den Katalanismus stets umworben, um in Spanien an die Macht zu kommen, und so schnell, wie sie ihre Versprechen gegeben haben, so schnell haben sie sie auch wieder gebrochen.

Betrachten wir exemplarisch die Entscheidung über das Autonomiestatut Kataloniens im Jahr 2006. Das Statut war ordnungsgemäß von zwei Parlamenten - dem katalanischen und dem spanischen - verabschiedet worden und wurde per Referendum von den Bürgern Kataloniens ratifiziert. Dennoch hat das spanische Verfassungsgericht 2010 einen Teil der Artikel für nichtig erklärt.

Heute ist Katalonien die einzige autonome Gemeinschaft Spaniens, die nicht durch ein von ihren Bürgern anerkanntes Statut geregelt ist. Fazit: Die Katalanen haben nicht einmal ein eigenes Statut, sondern ein aufgezwungenes. Manuel Pérez Nespereira,

08004-Barcelona