Es braucht nicht Maßnahmen, sondern Menschen

Die suspendierten Schüler der HTL Ottakring sind keine schlechteren Menschen als wir. Aber sie haben eine andere Biografie. Was man im frühen Kindesalter erlebt, erfährt oder gezeigt bekommt, empfindet man meist ein Leben lang als Normalität. Im Glücksfall sind dies die liebevolle Zuwendung von Angehörigen und der Kontakt mit Gegenständen und Betätigungsmöglichkeiten, die Neugier, die Interesse zu wecken imstande sind. Früh erlebte Gewalt gräbt sich meist tief ein. Zweierlei kann hier spätere Ausbrüche verhindern - menschliche Zuwendung und Ruhe, Ruhe und noch einmal Ruhe. Doch wie sieht die Realität von "menschlicher Zuwendung und Ruhe" für tausende zugewanderte, frühtraumatisierte Kinder nun wirklich aus?

Für viele dieser jungen Menschen bleibt eine Kindheit und Jugend in geordneten Familienverhältnissen ein Wunschtraum. Viele Kinder wachsen vaterlos auf, oft sind die Eltern selbst traumatisiert, oft droht oder herrscht Armut. Allein diese Umstände verunmöglichen eine konsequente Erziehung im positiven Sinn.

Schulkinder verbringen heute meist mehr "wache" Zeit mit ihren Lehrern als mit ihren Eltern und Geschwistern. Kann die Schule die nicht nur für diese Kinder so dringend nötige Ruhe und menschliche Zuwendung bieten? Allzu oft ist die Schule heute ein Ort der Hektik und der Überforderung aller Beteiligten.

Und die menschliche Zuwendung? Ja, die gibt es immer wieder auf berührende Weise! Starke Lehrpersonen, deren Hauptintention es nicht ist, nur nichts falsch zu machen, um keine Probleme mit dem von Bürokratie überladenen System Schule zu bekommen, sondern die ihre gesamte Aufmerksamkeit den Schülern widmen - so erkennen sie die Stärken der Kinder, entdecken, wenn es ihnen nicht gut geht, und erlangen das Vertrauen der Kinder und dadurch auch der Eltern.

Ein beherrschendes Thema ist heute, die Eltern wieder in ihre Mitverantwortung für den schulischen Erfolg ihrer Kinder zurückzuholen. Nicht Gesetze, Verordnungen, gar Drohungen oder Strafen werden die Eltern in ihre Verantwortung zurückholen, sondern ausschließlich die zu Recht bewunderten starken Lehrpersonen und Schulleiter schaffen das!

Es braucht Menschen: Die Biografien nicht nur vieler berühmter Persönlichkeiten zeigen, wie oft Lehrpersonen ein geglücktes Leben von Kindern entscheidend mitermöglicht haben - oft trotz schwierigster Familienverhältnisse.