Ernst Smole,

1080 Wien

Die Nationalstaaten
müssen erhalten bleiben

Die politischen Auseinandersetzungen vor der EU-Wahl lassen sich auf gegensätzliche Leitbilder zurückführen: einen Staatenbund oder einen Bundesstaat. Beim Staatenbund arbeiten die Länder zusammen und behalten ihre Souveränität, Beschlüsse müssen einstimmig getroffen werden. Beim Bundesstaat hingegen ist die Souveränität geteilt, und Mehrheitsentscheidungen sind bindend.

Zwischen diesen beiden Leitbildern wird die künftige Entwicklung des gemeinsamen Europas stattfinden. Modelle, die eine Auflösung der Nationalstaaten fordern, können als Träumereien eingestuft werden. Ein Neofunktionalismus, der ohne Nationalstaaten auskommen will, wäre beim derzeitigen Zustand der EU ein gefährliches Experiment.

Kurt Gärtner,

4600 Wels

Zur Kolumne von
Christian Ortner, 10. Mai

Verstaatlichungen sind
eine Strategie von gestern

Es erstaunt, mit welcher Verve Jüngere der Verstaatlichung das Wort reden, denen Altvater Bruno Kreisky sicher das Studium der Geschichte anempfohlen hätte. Ein solches, auch die jüngere Vergangenheit und sogar die Gegenwart betreffend, würde den Verstaatlichungsfans die Augen öffnen.

Wer die Gelegenheit nicht hat, mit Menschen zu reden, die so ein System mitgemacht haben, dem sei eine etwas intensivere Befassung mit dem ehemaligen Ostblock empfohlen, bis hin zur Analyse, was die UdSSR an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds und zur Aufgabe ihres Systems gezwungen hat. Oder ein Blick nach Venezuela, wo der Reichtum an Öl mit der Verarmung der Bevölkerung in einem merkwürdigen Kontrast steht.

Helmut Hofmann,

per E-Mail

Europa hat keine
Selbstachtung

Anlässlich des vergangenen Gipfeltreffens zum Thema Iran wurde beklagt, dass Europa machtlos sei und zu wenig respektiert werde. Wen wundert das? Europa hat keine Selbstachtung, was man sehen konnte, als der nicht eingeladene US-Außenminister Mike Pompeo spontan nach Brüssel reiste, wo man um ihn herumtanzte. Man hätte ihn, da nicht eingeladen, besser nicht vorlassen sollen. Auf diese Weise wäre der Respekt der USA vor der EU deutlich gestiegen. Wer sich selbst so wenig achtet, darf sich nicht über mangelnden Respekt der anderen beklagen.

Dr. Georg Rohrmoser,

1080 Wien