Eine gemeinsame
Sprache für die EU

Die wichtigste nationale Eigenheit ist wohl die Sprache. Die Frage stellt sich, auf welcher Basis die EU diesbezüglich künftig beruhen soll. 24 formell gleichberechtigte Amtssprachen können zwar dank eines Heeres von Dolmetschern und Übersetzern bis zu einem gewissen Grad eingesetzt werden, als einigendes Band kann es aber wohl nur eine geben. Welche?

Solange Großbritannien in der EU verbleibt, wird dies wohl das "Brüsseler Englisch" sein. Doch wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, wäre es absurd, wenn diese einer Sprache anhinge, die jene von zwei der engagiertesten EU-Gegnern ist: US-Präsident Donald Trump und dem nächsten Premierminister in London, vielleicht gar Boris Johnson.

Französisch wäre naheliegend, doch Präsident Emmanuel Macron ist finanziell und personell nicht in der Lage, die nötige Infrastruktur dafür zu stellen (unter anderem die Entsendung von Sprachassistenten an Behörden, Schulen oder Redaktionen der nicht-frankophonen EU-Länder).

Latein würde eine reiche zweitausendjährige Tradition mitbringen, ein "Lexicon recentis latinitatis" liefert auch das Gros des Wortschatzes für heutige Bedürfnisse. Doch die Europäer müssten dazu geradezu irre Bildungsanstrengungen unternehmen, um darin Geläufigkeit zu erlangen.

Bleibt das verhältnismäßig anspruchslose Esperanto, leicht erlernbar, doch kulturell blutleer, und es gibt kaum EU-Parlamentarier, die sich dafür starkmachen würden.

Dr. Franz Rader,

per Mail

Keine Vertrauensbasis zwischen SPÖ und ÖVP

Wenn die SPÖ der ÖVP gebetsmühlenartig vorwirft, sie habe sich nicht darum bemüht, Vertrauen zu schaffen, kann man das eigentlich nur als verspäteten Faschingsscherz auffassen! Seit ich denken kann, hat die SPÖ alles getan, um die Vertrauensbasis zur ÖVP zu zerstören.

Das begann mit Bruno Kreisky, dessen oberstes Ziel es war, die ÖVP in ihre Bünde zu zersprengen. Dann kam Fred Sinowatz mit seinen Bemühungen, die Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten mit allen Mitteln zu verhindern. Der sich gern als "Elder Statesman" gebende Franz Vranitzky trickste die ÖVP bei der CA aus, Alfred Gusenbauer warb bei der EU für Sanktionen gegen Schwarz-Blau, und Christian Kern engagierte Tal Silberstein für eine beispiellose Schmutzkübelkampagne. Pamela Rendi-Wagner schließlich, die sich in den vergangenen Monaten gar nicht genug über die türkis-blaue Regierung ereifern konnte, findet jetzt nichts mehr dabei, mit der FPÖ gegen die ÖVP zu koalieren.