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Andreas Raffeiner, 11. Juni

Eine kleine Änderung im Staatsbürgerschaftsgesetz

Die doppelte Staatsbürgerschaft für alle Südtiroler ist sicher keine Herzensangelegenheit in Südtirol und in Österreich. Bei der vergangenen Landtagswahl haben die Südtiroler Freiheitlichen, die diese Idee propagiert haben, eine krachende Niederlage erlitten, und in Österreich ist es einzig die FPÖ, die mit dieser seltsamen Art der Vergangenheitsbewältigung hausiert.

Man sollte dieses Thema aber nicht mit dem allgemeinen Prinzip der Doppelstaatsbürgerschaft verwechseln. Dieses dient nicht dazu, Leuten, die anderswo leben, ein nettes Geschenk zu machen oder das Rad der Zeit zurückzudrehen - sondern sie soll Menschen, die die europäische Freizügigkeit nützen, den Erwerb einer Staatsbürgerschaft ermöglichen, ohne die angestammte aufgeben zu müssen. In dieser Hinsicht ist es nicht Italien, das sich querlegt, sondern Österreich selbst durch Paragraf 10, Absatz 3 des Staatsbürgerschaftsgesetzes. Durch eine Reform dieses Absatzes könnte Österreich sofort, und ohne bei Italien (wo die doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist)anzuecken, allen in Österreich lebenden Südtirolern die österreichische Staatsbürgerschaft ermöglichen, ohne sie zu zwingen, auf die italienische zu verzichten. Das wäre viel sinnvoller, als sie allen Südtirolern zu geben, auch wenn sie gar nicht in Österreich leben und daher kaum Interesse an der österreichischen Staatsbürgerschaft haben dürften.

- © apa/Helmut Fohringer
© apa/Helmut Fohringer

Dr. Stefan Malfèr,

1140 Wien

Doppelte Staatsbürgerschaft nicht nur für Altösterreicher

Südtirol ist ein Wunde, die noch lange nicht vernarbt ist, auch wenn es so scheint. Aber im Interesse eines gedeihlichen Zusammenlebens ist eine Doppelstaatsbürgerschaft mehr als angesagt. Wobei diese Möglichkeit nicht nur den Südtirolern und möglicherweise auch Triestinern und anderen Menschen aus der ehemaligen Monarchie offenstehen sollte.

Es ist auch nicht einzusehen, dass etwa Staatsbürger der USA, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte noch eine andere Staatsbürgerschaft haben, nicht auch noch die österreichische bekommen sollen, wenn sie hier zum Beispiel bereits zehn Jahre unbescholten leben und sich selbst erhalten, vielleicht sogar eine Ausbildung abgeschlossen haben, hierbleiben wollen und mit einer Österreicherin verheiratet sind. Was spricht wirklich dagegen?