Inspiration für Vereinigte Staaten von Europa

Die USA werden in Europa oft als großer und mächtiger Nationalstaat missverstanden. Etwa als ein sehr, sehr großes Österreich mit Bundesländern wie Wien und Vorarlberg hier und New York State beziehungsweise Kalifornien dort. Das sind die USA nicht. Tatsächlich sind sie eine Föderation von Einzelstaaten, die freiwillig gewisse Rechte an die Union abtraten.

Beide, die Staaten und die Union, haben Verfassungen mit drei Gewalten und strikter Gewaltentrennung mit wechselseitiger Kontrolle (checks and balances). Dem Präsidenten der USA entsprechen die Gouverneure der Bundesstaaten. Beide haben ein Repräsentantenhaus und einen Senat als gesetzgebende Körperschaft. Alle haben eine Repräsentation der Bürgerinnen und Bürger durch Direktwahl im Abgeordnetenhaus und im Senat, der Vertretung der Bundesstaaten.

Ich hatte in zwei Jahrzehnten der Lehrtätigkeit an Universitäten in den USA junge Männer und Frauen aus fast allen Bundesstaaten. Sie alle empfanden sich als Amerikaner, sowohl ihres Heimatstaates als auch der Union. So sehe ich mich auch: sowohl als Österreicher als auch als Europäer. Als solcher muss ich in der EU die USA nicht nachgeahmt sehen. Nachahmung ist eine Phrase, die doch nur vom Mangel einer eigenen, konstruktiven Vorstellung von einer EU der Zukunft zeugt. Aber als Beispiel sollte man die USA schon heranziehen. Und man sollte ihre politische Entwicklung bedenken. Sie ist ein lang andauernder Prozess der Gestaltung eines ursprünglichen, politischen Traumes. Ich habe ihn für Europa.

DI Bernhard Hafner,

8010 Graz

Boris Johnson als neuer britischer Premier

Theresa May hat abgedankt. Und der neue britische Premierminister Boris Johnson, mit den auffallend blonden krausen Haaren, die er sich von der Stirn ab streng nach vorne gekämmt hat, ist so ein ganz anderer politischer Charakter, als May es war. Er ist eher verspielt, schlecht einzuschätzen, gibt sich extrovertiert und ist für jeden Gag - auch vor laufenden Kameras - zu haben. Dieser Boris Johnson, der alles über den Haufen zu rennen scheint, versucht mit seiner extrovertierten Haltung, die Menschen für sich zu gewinnen.

Dass der neue Premier kein Geheimnis daraus macht, ein glühender Brexit-Befürworter zu sein, wird die Beziehungen zum Euroland weiterhin erschweren - bis Großbritannien Europa womöglich ganz loslässt, und so müsste es sich dann ganz autark versorgen.

Wilhelm Westerkamp,

per E-Mail

Europäische Hilfe
für Staaten in Not

Kurt Ruppi stellte mit seinem Leserbrief in der "Wiener Zeitung" vom 24. Juli 2019 die Frage: "Mindert es den Geldwert in Europa oder riskierten wir zu viel Inflation, wenn die Europäische Zentralbank (einvernehmlich) Lira, Metical oder Gourde für die drei genannten Länder (Syrien, Mozambique, Haiti, Anm.) drucken und damit europäische Firmen ,beschenken‘ würde, die dann mit diesem Geld an Ort und Stelle am Auf- oder Wiederaufbau mitwirken könnten?"

Ob Geldwert gemindert oder eine Inflation riskiert wird, hängt vom ungefähren Ausgleich von Warenangebot und Warennachfrage und dieser von Produktion, Bedarf und Verfügbarkeit an Geld ab. Unter der Voraussetzung, dass alle übrigen zu Beteiligenden mit der Idee einverstanden sind, würden die europäischen Firmen bei verfügbaren Kapazitäten auf diesen Deal nur dann eingehen, wenn sie erwarten, jenes Geld für etwas Brauchbares verwenden zu können.

Inflation würde entstehen, wenn mit den zusätzlichen Zahlungsmitteln keine zusätzlichen Wirtschaftsleistungen entstünden und um ein beschränktes Warenangebot konkurriert würde. Das gilt auch bei Bezahlung inländischer Arbeitskräfte und Betriebe, wenn diese keine Leistungen erbringen, die das zusätzliche Geld decken.

Der entscheidende positive Punkt ist: Falls zusätzliches Geld dazu führt, dass zuvor nicht genutztes Produktionsvermögen Güter und Dienste verfügbar macht, die gekauft werden, kann dies ohne Inflation zur Entwicklung eines Landes beitragen.

Em. O. Univ.-Prof. Dr. Paul
Kellermann, 9020 Klagenfurt