Was tun nach dem
Unglück von Frankfurt?

Es ist lobenswert von Horst Seehofer, wenn er auf den deutschen Bahnhöfen für mehr Sicherheit sorgen will. Wie soll dies aber geschehen? Die Bahnhöfe sind ja nicht immer nur zehn Meter lang, sodass man diese leicht überschauen könnte, sondern wesentlich länger. Und wenn der Bundesinnenminister jetzt nur Bahnhöfe der Deutschen Bahn im Visier hat, was ist mit allen anderen Bahnsteigen und Haltestellen von U-Bahn oder S-Bahn? Wo will Herr Seehofer das Personal hernehmen, wenn es doch jetzt schon vorne und hinten fehlt?

In Frankfurt starb ein Bub, der vor einen Zug gestoßen wurde. - © reuters/Ralph Orlowski
In Frankfurt starb ein Bub, der vor einen Zug gestoßen wurde. - © reuters/Ralph Orlowski

Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein paar Meter neben einem Gewalttäter oder Gefährder ein Wachmann steht, kann dennoch jemand direkt vor einem einfahrenden Zug ins Gleisbett oder auf die Schienen gestoßen werden. Absolute Sicherheit gibt es leider nicht. Meiner Meinung nach ist es blanker Aktionismus, der vermeintliche Handlungsbereitschaft durch den Bundesinnenminister aufzeigen soll.

Alois Sepp,
D-81371 München

Die Indexierung der Familienbeihilfe ist fair

Die Indexierung der Familienbeihilfe, die die österreichische Regierung eingeführt hat, wird auf EU-Ebene abgelehnt. Also soll der EuGH entscheiden! Er hat schon überflüssigere Themen behandelt (etwa den Karfreitag).

Zur grundsätzlichen rechtlichen Beurteilung der Causa sollte man auch eines berücksichtigen: Die Familienbeihilfe ist eine Unterstützung für die durch Kinder entstehenden Kosten und sollte sich am Lebenshaltungsindex des Aufenthaltsorts des Kindes orientieren. Die derzeit auf EU-Ebene vertretene Ansicht führt in Wirklichkeit zu einer Ungleichbehandlung - denn die Kinderbeihilfe ist kein Gehaltsbestandteil! Wenn ein EU-Bürger in Österreich arbeitet, seine Kinder aber im Herkunftsland leben, so verursachen sie dort gemessen am örtlichen Preisindex weniger - oder auch mehr - Kosten als Kinder, die in Österreich leben. Wenn man Ausländern in solchen Fällen eine gleich hohe Kinderbeihilfe wie in Österreich zahlt, kommt das praktisch einer illegalen Gehaltserhöhung gleich und würde inländische Arbeitnehmer benachteiligen.

Man sollte eines nicht vergessen: Geltendes "EU-Recht" ist immer das Ergebnis eines 28-fachen Koalitionskompromisses und daher nicht selten fern vom "Hausverstand".

Günter Braun,

1020 Wien

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Daniel Bischof, 27. Juli

Reflektierte Pädagogik
statt noch mehr Bürokratie

Schon um das Jahr 2000 begann in der Jugendhilfe (stationäre Fremdunterbringung) ein Paradigmenwechsel in der Form, dass Jugendliche, überraschenderweise viele weibliche Jugendliche, Betreuungspersonen tätlich angriffen; vorher blieb es bei wüsten Beschimpfungen. Gleichzeitig zu dieser Entwicklung weist ein Großteil der fremduntergebrachten Jugendlichen heute psychiatrische Auffälligkeiten auf ("Borderline-Problematik", oft gemischt mit posttraumatischer Belastungsstörung).

Die Politik hat auf diese Entwicklungen mit einem aufgeblähten Verwaltungsapparat (Kontrolle statt verbessertem Betreuungsschlüssel) reagiert. Die Jugendlichen brauchen intensive Beziehungsangebote und in den WGs müsste eine durchgehende Doppelbesetzung Pflicht sein, damit ein Mindestmaß an zeitgemäßer Pädagogik als Gegenstrategie vorhanden wäre. Leider eine Wunschvorstellung in unserer Zeit der Schraubenfabriksphilosophie (Betriebwirtschaft), die ja eine reflektierte Pädagogik komplett in den Hintergrund gedrängt hat.

Mag. Alfred Zopf, Sozialpädagoge und Psychotherapeut,

1130 Wien