Es gibt viel zu viele Wahlkampfdiskussionen

Haben wir schon zu viele Wahldiskussionen? Ich sage: Ja. Fast jeder größere TV-Sender in Österreich glaubt, er müsse uns Wähler mit diversen Politikerdiskussionen beglücken. Früher gab es lediglich den ORF, jetzt haben auch die Privaten den Braten gerochen. Da ja relativ wenig Sendezeit zur Verfügung steht, weil auch Werbeblocks gesendet werden müssen, unterbrechen relativ schlecht geschulte Interviewer/innen noch die Antworten der Politiker. Das Ergebnis: Viele Zuseher schalten ab, sie wollen nämlich Neuheiten hören und nicht Plattitüden.

Der ORF zieht mit und erfand die "Elefantenrunde". Im Schnelldurchlauf werden hier die Kandidaten vorgeführt, der Vergleich mit Zirkuselefanten ist nicht von ungefähr. Relativ wenig Zeit gibt es zu aktuellen Fragen, und auch die Antworten der Kandidaten sind meistens nur Schlagworte. Wenn man sich etwas herumhört, dann drehen viele mitten in der Sendung ab. Ich glaube, die ganzen Wahlsendungen kosten die Parteien mehr frustrierte Wähler als gut informierte.

Franz Schramböck,

4030 Linz

Schluss mit all der Selbstdarstellung

"Once upon a time in Austria . . .", werden die Menschen einmal sagen und die Hände über den Köpfen zusammenschlagen...

Wir befinden uns mitten im Wahlkampf, wo alles, wie es scheint, erlaubt ist, wo man lügt und blendet, wo Täter-Opfer-Inszenierungen und Schmutzkübelgeschichten sich die Hand reichen, wo man Wahlwerbeplakate mit Filmplakaten verwechseln könnte. Was hat das alles mit verantwortlicher Politik zu tun, die mit Engagement kluge, umsichtige und menschliche Lösungen für die Menschen erarbeiten sollte?

Ich habe jedenfalls die Selbstdarstellungen der politischen Protagonisten sowas von satt. Ich erwarte mir von einer Regierung Menschen mit Rückgrat, mit Herz und Hirn, mit Kompetenz und der Bereitschaft zur wirklichen Kooperation. Großraumdenker, unter Umständen sogar mit einem Hauch von Humor begabt.

Ingrid Serschen,

per E-Mail

Früher waren Politiker
auch nicht besser

Wahlk(r)ampf, das bedeutet verzweifeltes Suchen nach dem kleineren Übel, denn: "Der eine ist so finster, dass er keinen Scherz verträgt, der andere so fad, dass ihm ein Witz die Laune versalzt; manche sind so plattnäsig, dass sie
jedes ironische Nasenrümpfen scheuen; wieder andere so wetterwendisch, dass sie im Stehen bereits eine andere Meinung vertreten als im Sitzen." (Sir Thomas More, 1478 bis 1535, über die Politiker seiner Zeit)

Walter Koren,
4560 Kirchdorf

Zum Gastkommentar von
Christian Ortner, 13. September

Die Nullzins-Politik
entwertet Sparguthaben

Christian Ortner hat das Problem präzise dargestellt und ruft zu Recht nach parlamentarischer Kontrolle. Allerdings: Trotz eben dieser parlamentarischen Kontrolle verlieren angemessene Pensionen schon auf dem Weg vom Brutto zum Netto etwa ein Drittel ihres Nominales. Wer verspricht noch vor dem 29. September 2019 Besserung und würde das Versprechen nach diesem Stichtag auch einhalten?

Dr. Peter Mitmasser,

2351 Wiener Neudorf