Warum nicht eine Minderheitsregierung?

Das Wahlergebnis und die gegebene politische Lage bieten Sebastian Kurz eine historische Chance. Er könnte mit den Neos eine Minderheitsregierung bilden: Guten Gesetzen werden sich zumindest Teile der Opposition nicht entgegenstellen. Wenn die Regierung keinen wirklichen Grund liefert, werden die Wahlergebnisse SPÖ und FPÖ eher nicht an einen Misstrauensantrag denken lassen.

Gottfried Stögner,

4600 Thalheim bei Wels

Zur Beilage "Digitale Republik" vom 25. September

E-Voting birgt zu
viele Risiken

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Unbeirrtheit die Verfechter von E-Voting die gravierenden Einwände jener, die es wissen müssen - nämlich der meisten IT-Experten, zu denen ich mich zähle -, beiseite wischen. Die naive Fortschrittsgläubigkeit in den Visionen eines vollständig digitalisierten Gemeinwesens beruht im Wesentlichen auf zwei Prämissen:

1. Software kann fehlerfrei hergestellt werden, wenn nur ausreichend Anstrengung darauf verwandt wird.

2. Die Entwickler von Software haben vollständiges Verständnis des Codes, der von der Maschine ausgeführt wird.

Wie jeder Softwareexperte weiß, sind beide Prämissen falsch. Das lässt sich schon daraus erkennen, dass Softwarekonzerne seit Jahrzehnten daran scheitern, Software auszulieferen, bei der nicht binnen kürzester Zeit Sicherheitslücken gestopft werden müssen. Wenn kriminelle Organisationen und Geheimdienste schon jetzt erfolgreich Soziale Netzwerke hacken, dann lässt sich leicht vorstellen, welche Energie in die Unterwanderung von digitalen Wahlsystemen gesteckt würde.

Ein vollständig digitales Wahlverfahren, das nachvollziehbar ist und gleichzeitig die Anonymität der Stimmabgabe beibehält, ist nicht nur praktisch, sondern logisch unmöglich. Das Teuflische daran ist, dass Wahlmanipulationen völlig unbemerkt vorgenommen werden könnten.

Gerhard Menzl,

1080 Wien

Der Klimawandel ist ein hochkomplexes Problem

Alle Wahlwerber haben sich am Klimawandel abgearbeitet, ohne zu sehen, wie nebulos dieser Begriff ist. Gewiss, das Klima wandelt sich, wir merken es an größeren und kleineren Naturkatastrophen und steigender Lufttemperatur. Es stimmt auch, dass er eine Folge unserer Handlungsweisen ist, das sehen heute schon fast alle Akteure ein.

Aber der Wetterwandel ist ja nicht die einzige Folge unserer Lebensweise: Unser Verhalten hat eine ganze Reihe von negativen Auswirkungen auf das, was wir Umwelt nennen, auf die ganze Natur inklusive uns selbst: Artenverlust, vielfaches Sterben von Pflanzen und Tieren, Veränderung vieler Kreisläufe des Lebens. Kurz gesagt: Der Klimawandel hat nicht nur eine Folge, die man einzeln bekämpfen könnte, etwa mit einem Verbot von Plastiksackerln und Wattestäbchen.

Der eigentliche Grund für die heutige Situation liegt in unserem Bestreben, unsere Existenz so bequem, angenehm und sicher wie möglich zu gestalten, und dass wir im Westen dabei zu weit gegangen sind. Der ökologische Fußabdruck jedes Einzelnen von uns ist fast schon doppelt so groß, wie er eigentlich bei ehrlicher und gerechter Verteilung der Ressourcen auf unserem Planeten sein dürfte.

Fest steht, dass wir auf einem Pfad unterwegs sind, der - wie der Kurs eines riesigen Schiffes - nur schwer und langsam geändert werden kann. Noch dazu sieht es so aus, als ob dafür nur noch wenig Zeit bliebe. Doch dieser Weg ist nach meiner Meinung eine tödliche Gefahr für die technische Zivilisation, in der wir leben. Wir sollten ihn besser nicht wählen.

Kurt Ruppi,

2330 Schwechat