Zum Interview von Anja Stegmaier, 30. September

Protestbewegungen
folgen konkreten Ideen

Bei allem Respekt, Stephan Schulmeister, die Befürchtung, die Bewegung der "Fridays for Future" könnte daran scheitern, dass es keine konkreten Gegenkonzepte gibt, teile ich nur bis zu einem gewissen Grad. Ich glaube, auch Sie wissen sehr wohl von einigen zukunftsfähigen, mehr oder weniger konkreten Gegenkonzepten, halten es aber in den derzeitigen Machtverhältnissen für unmöglich, diese politisch umzusetzen. Denn solange eine von Geld regierte Symbolpolitik Vorrang hat, die die Entmündigung der Bürgerschaft einer Bildungsoffensive zu deren Emanzipation vorzieht, wird’s nix.

Ilse Kleinschuster,

per E-Mail

Die Empörung richtet
sich gegen die Falschen

Liebe FreitagsdemonstrantInnen!

als Vertreterin eurer (Groß-)
Elterngeneration möchte ich mich vehement dagegen wehren, als Sündenbock für die Zerstörung eures Paradieses verantwortlich gemacht zu werden. Richtet eure Wut nicht gegen uns! Das ist unfair und trifft nicht die Realität. Unsere Generation hat eifrig gelernt und fleißig gearbeitet, hat über Jahrzehnte mit hohen Steuern all das geschaffen, was euch jetzt hier zur Verfügung steht: Schulen (bitte geht hin!), Universitäten, Krankenhäuser, Straßen - alles.

Wir haben auch für euch Wohlstand geschaffen, den wir euch gern hinterlassen würden, aber in dem Trubel eurer Demonstrationen merkt ihr vielleicht gar nicht, wie der Staat gerade eiligst dahinter ist, euch das Erbe wegzunehmen. Ihr werdet euch noch wundern, was nach Notar, Gericht, Schenkungs- und Erbschaftssteuern für euch dann noch übrig ist.

Wir sind für euch da, und eure Zukunft ist unser Anliegen. Richtet nicht eure Wut gegen uns! Wut haben wir selber.

Dr. Lucia Kautek,

per E-Mail