Alte Menschen verdienen eine respektvolle Behandlung. - © apa/Helmut Fohringer
Alte Menschen verdienen eine respektvolle Behandlung. - © apa/Helmut Fohringer

Über Gewalt gegen alte Menschen wird geschwiegen

Die Gewichtung der Themen in den Wahlkämpfen verschiebt sich. Alter, Pflege und Pensionen sind in den Debatten angekommen und werden dort auch bleiben - vor allem, da die Gruppe der Wählerinnen und Wähler 60+ stetig wächst. Bereits im Jahr 2040 wird laut dem europäischen "Ageing Report" der Anteil der über 60-Jährigen in Österreich mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung betragen. Seitens der politischen Parteien wird die Generation 60+ zu Beginn der Wahlkämpfe immer wieder mit Beruhigungsmaßnahmen wie einer Extra-Pensionserhöhung massiert. Der Entspannungseffekt, so die Hoffnung, soll bis zum Wahltag anhalten und damit lange genug von den anderen Problemen dieser Gruppe ablenken.

Eines dieser Tabus ist Gewalt gegen ältere Menschen. Ein Problem, dessen subtile Formen erst jetzt immer deutlicher wahrgenommen werden. Sei es in den Familien, in der Heimpflege oder im institutionalisierten Wohnen in Heimen und Geriatrie-Einrichtungen. Gewalt ist immer ein tabuisiertes Thema gewesen. Umso wichtiger ist es, diesem mit öffentlichen Debatten und Transparenz zu begegnen. Das war bei Gewalt in der Familie und gegen Frauen nicht anders. Bewusstseins- beziehungsweise Präventionsarbeit durch breit angelegten Kampagnen für respektvollen und gewaltfreien Umgang mit älteren Menschen sind dringend notwendig. Das Ausmaß der Gewalt und die Missstände sind groß, wie aus dem Bericht der Volksanwaltschaft "Präventive Menschenrechtskontrolle" aus dem Jahr 2017 hervorgeht.

Die nächste kollektive Beruhigungsmeldung der Parteien für die Wählergruppe der Pensionisten wird kommen - spätestens zum nächsten Wahlkampf. Ob wir dabei der notwendigen Aufgabe nähergekommen sein werden, Öffentlichkeit und Transparenz für die tabuisierten Probleme einer alternden Gesellschaft zu schaffen, uns also Fragen zu stellen, wie ein menschenwürdiges Leben und Sterben in Institutionen aussehen kann und muss, oder wie der öffentliche Raum für ältere Menschen nutzbar sein kann, bleibt eher ungewiss.

Max Winter,

1090 Wien

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Matthias Winterer, 5. Oktober

Echte Bürgerbeteiligung
gibt es in Wien nicht

Die Bürger haben den Eindruck, dass es Mitbestimmung in Wien nicht gibt. Da wird verwaltet und beschlossen, Großprojekte werden verwirklicht, Hochhäuser gebaut, es wird betoniert und verbaut, Zuwanderung wird zugelassen und gefördert, aber die Bürger werden nicht befragt. Gebühren werden eingeführt und erhöht, Parkplätze vernichtet, Autofahrer schikaniert, aber der Bürger darf nicht mitreden.

Wenn sich der Unmut dann bei Wahlen äußert, wen wundert es? Abwarten, was die Wahlen nächstes Jahr bringen!

Peter F. Lang,

per E-Mail