Zum Artikel von Bernd Vasari,
19. Oktober

Es fehlt das Grundwissen
zu finanziellen Fragen

Ja, es mangelt an wirtschaftlichem und finanziellem Grundwissen. Daher finde ich es verantwortungslos, wenn der Geschäftsführer eines Unternehmens, das Kindern und Jugendlichen Finanzwissen näherbringen will (Goran Maric von "Three Coins", Anm.), den Einstieg in den Kapitalmarkt mit "guten Schulden" empfiehlt. Das sind "gute" Schulden für Banken und Finanzdienstleister, aber niemals für den Schuldner. Endlos sind die Geschichten von Menschen, die sich mit "todsicheren" Geldanlagen und dafür aufgenommenen Krediten in den Ruin gebracht haben.

Dr. Günter Frühwirth,

1130 Wien

Auch beim Geld hilft
der Hausverstand

Unser 14-jähriger Sohn lernt sehr wohl in der Schule über Schulden und Kredite. Aber wenn ich nur
5 Euro in der Geldbörse habe, kann ich nicht 10 Euro ausgeben. Dazu brauche ich nicht unbedingt die Schule, oder? Die Eigenverantwortung scheint mehr und mehr in den Hintergrund zu treten. Muss die Schule uns erklären, dass wir nicht mehr ausgeben dürfen, als wir haben?

Übrigens: Wir sind seinerzeit auch nicht in der Schule darauf vorbereitet worden, wie man eine Wohnung mietet, und haben es trotzdem geschafft.

Dr. Christine Allen,

per E-Mail

Wirtschaften gehört
zur Allgemeinbildung

Mit dem Wortgebrauch "Bildung" sollten wir nicht schlampig oder fahrlässig umgehen. Geht es doch um die Bildung persönlicher Qualitäten möglichst im Verein mit den Ausbildungen von Talenten und Qualifikationen. Die Bildung entfaltet die Grundlagen für unser Denken, Empfinden und Handeln. Daran hat die Allgemeinbildung entscheidenden Anteil. So ist es auch angebracht, politische und wirtschaftliche Allgemeinbildung zu konzipieren und zu vermitteln. Im schulischen wie im lebenslangen Lernen.

RgR Prof. Reinhard Horner,

1100 Wien

Zum Gastkommentar von
Peter Oberdammer, 18. Oktober

Das AMS verlässt sich
zu sehr auf Technik

Ich stimme dem Artikel weitgehend zu. Ergänzen möchte ich - ich bin wie der Autor ein Betroffener -, dass Zuweisungen zu sogenannten Wiedereingliederungsmaßnahmen überwiegend den wirtschaftlichen Interessen der Betreiber dienen. Diese verpflichtenden Maßnahmen sind für die Betroffenen aber immer nur subsidiär. Eine sachliche Arbeitsvermittlung hat gegenüber einer Zuweisung zu einer Maßnahme aber immer Vorrang zu haben - vor allem dann, wenn das AMS diese Zuweisung nicht begründen kann oder will.

In diesem Zusammenhang habe ich mir die Frage gestellt, ob diese Zuweisungen auf einem fahrlässigen oder vorsätzlichen Fehlverhalten beruhen. Die nunmehrige Verwendung des im Artikel beschriebenen Algorithmus dürfte diese Frage wohl weitgehend obsolet machen. Auch wenn dies vom AMS heftig bestritten wird, entbindet dieses Programm die AMS-MitarbeiterInnen von einer eigenständigen Beurteilung der Betroffenen. Diese Entwicklung stelle ich bereits seit längerem fest - mit oder ohne Algorithmus.

Mit Einführung dieses Programms entwickeln hingegen gerade ehrgeizige, aber in der Sache unmotivierte MitarbeiterInnen ihren persönlichen Zynismus und blenden Fragen der Arbeitsvermittlung, die der Algorithmus offenbar nicht beantwortet, bewusst aus. Dies führt dazu, dass während eines Betreuungstermins, der auf eine Dauer von zehn Minuten limitiert ist, auf erforderliche und notwendige Fragen im Zuge eines Sachgespräches nicht mehr eingegangen wird. Bei all dem bleibt der gesetzliche Auftrag der sachlichen Arbeitsvermittlung auf der Strecke.

Zusammenfassend halte ich fest, dass ein Algorithmus sicherlich keine hilfreiche Antwort des AMS auf das sozialpolitische und existenzielle Problem der Arbeitslosigkeit darstellt.

Mag. Dr. Theodor Plankl,
1180 Wien