Zum Gastkommentar von Pamela Rendi-Wagner, 5. November

Warum keine rot-grüne Minderheitsregierung?

"An die Arbeit", sagt die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner. In der Tat, ich wünsche mir eine Regierung nicht vom Christkind, sondern von den gewählten Politikern und Parteien. Es heißt, ÖVP-Chef Sebastian Kurz kokettiere mit einer Minderheitsregierung. Wie wäre es mit einer Minderheitsregierung aus Grünen und SPÖ? Sie hätten zusammen fast ebenso viele Stimmen wie die ÖVP, mit den Neos sogar mehr, und die inhaltlichen Überschneidungen wären beträchtlich.

- © apa/afp/Lluis Gene
© apa/afp/Lluis Gene

Ich halte Werner Kogler, Pamela Rendi-Wagner und Beate Meinl-
Reisinger für ein solches Experiment für geeignet. Die Freiheitlichen würden eine solche Minderheitsregierung aus inhaltlichen und taktischen Gründen tolerieren, die ÖVP müsste in manchen Fragen kooperieren. Dann könnten in Klima- und Umweltfragen, bei sozialen und Bildungsthemen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Dr. Stefan Malfèr,

1140 Wien

Die SPÖ sollte den
Populismus aufgeben

Erschütternd, was die Parteivorsitzende und Klubchefin der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner, in ihrem Gastkommentar von sich gibt. Kein einziges Wort über die Gegenfinanzierung ihrer Steuerreformvorschläge, das heißt im Klartext ein Ansteigen der Staatsverschuldung. Bis wohin? Auch diese Frage bleibt offen. Will die SPÖ eine Staatsverschuldung wie Italien und Griechenland?

Die SPÖ sollte sich besser von populistischen Grundideen verabschieden und sich seriös mit dem Staatshaushalt beschäftigen, vielleicht auch darüber nachdenken, warum Alfred Dallinger vor dreißig Jahren eine Wertschöpfungsabgabe einführen wollte: Weil er erkannt hat, dass nur mit einer radikalen Steuersystemänderung der Wohlfahrtsstaat gerettet werden kann. Die SPÖ hat dreißig Jahre verschlafen, aber es ist nie zu spät zur Selbsterkenntnis. An die Arbeit, liebe SPÖ.

Mag. Alfred Zopf,

1130 Wien

In Katalonien ist auch
der Fußball politisch

Das Camp Nou, das Stadion des FC Barcelona, ist mit fast 100.000 Sitzplätzen das größte Fußballfeld in Spanien und auch in Europa, und der Verein hat mehr als 1,76 Millionen Mitglieder. Einem Fußballspiel zu folgen, ist eine Freude, jedes Tor zu feiern, ist eine Ekstase, aber die Emotion, die in jedem Match nach genau 17 Minuten und 14 Sekunden gelebt wird, ist unvergleichlich, weil es ein Lied für Freiheit und Demokratie ist: Tausende Fans rufen mit einer Stimme: "Unabhängigkeit!" Und: "Freiheit für politische Gefangene!" Es erscheinen Fahnen und Banner, die die Freiheit der inhaftierten katalanischen Regierung fordern.

Warum gerade in dieser Minute? 1714 belagerten die bourbonischen Truppen (die Dynastie des heutigen Königs von Spanien) Barcelona, und am 11. September fiel die Stadt nach mehr als einem Jahr Belagerung. Der Sieg der Bourbonen im Spanischen Erbfolgekrieg führte zur Abschaffung aller katalanischen Institutionen.

Xavier Paradell Boladeras,

08940 Cornellà de Llobregat

Der Straßenverkehr
muss reduziert werden

Elektro-Autos und -Lkw werden als Maßnahme zum Klimaschutz nicht helfen, denn dadurch wird der überbordende Straßenverkehr nicht weniger, somit der damit verbundene Lärm und Feinstaub auch nicht. Die Rückkehr zum menschlichen Maß, wie es bei Leopold Kohr (Nationalökonom und Philosoph, Anm.) so schön heißt, ist gefragt. Und dazu gehört eine Einschränkung der allzeit geforderten totalen Mobilität, die unseren Planeten und uns selbst ruiniert. Elektrische Öffis wie (Straßen-)Bahnen und Oberleitungsbusse gehören dazu (siehe etwa in Salzburg), ebenso die Versorgung mit Geschäften in den Siedlungen anstatt an deren Rändern oder weit außerhalb.

Wir haben es von den 1950ern bis in die 1970er sehr gut geschafft, überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit Märkten und Geschäften in den Siedlungen zurechtzukommen, und würden es auch wieder schaffen - oder wir gehen zugrunde.

Alexander Buschenreiter,

per E-Mail