Lehrkräfte mittels App
zu bewerten, ist Unsinn

Wie dringend mittlerweile ein verpflichtender Ethikunterricht ist, zeigt sich unter anderem an dem Vorhaben, die Lehrkräfte anonym mittels einer fünfstufigen Sterne-App zu bewerten. Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine zwischenmenschliche, höchst sensible soziale Beziehung, wie sie zwischen Unterrichtenden und Lernenden besteht, mittels einer simplen Produktbewertung zu beurteilen? Der Entwickler dieser App mag vielleicht über digitale Kompetenz verfügen, doch seine sozialen, pädagogischen und moralischen Kompetenzen müssen stark verkümmert sein.

Die persönliche Erfahrung und Präsenz von Lehrenden, ihre Sensibilität für Menschen und pädagogische Situationen werden mit einem einzigen Fingerdruck im wahrsten Sinn des Wortes vernichtet. Die Komplexität der Aufgabenbereiche der heutigen Lehrkräfte einer banalen Produktbewertung zu unterwerfen, ist für mich eine erschreckende Geisteshaltung.

Lehrerinnen und Lehrer werden von einer überhandnehmenden Steuerungs- und Kontrollmaschinerie immer mehr an ihrer fachlichen und pädagogischen Arbeit gehindert - die dann noch mit solch einer App untergraben wird. Hätte man statt der vielen und zumeist gescheiterten Strukturdebatten und -reformen die Energien in die Entwicklung einer sinnvollen, ehrlichen und seriösen Lehrerbeurteilung gesteckt, wären der Unterricht und damit die Bildung unserer Jugend um Meilen voraus. Standardisierung, Normierung, Gleichmacherei sowie solch eine App erzielen jedoch den gegenteiligen Effekt.

Mag. Christian Höfner,

4813 Altmünster/Traunsee

Man wusste man von
Gewalt in Kinderheimen

Geboren 1942 in Brünn, wuchs ich ab 1945 unter ärmlichsten Verhältnissen in Favoriten auf. Die Mutter musste Tag und Nacht arbeiten, und wir Kinder genossen völlige Freiheit in unserer "Bande". Sicher waren wir nicht die Bravsten. Aber immer, wenn wir etwas anstellten, kam sofort von Erwachsenen die Drohung: "Wenn ihr das noch einmal macht, dann kommt ihr ins Heim." Worte, die wir immer wieder hörten und die für uns etwas Schreckliches bedeuteten. Wir übernahmen sie sogar unter uns Kindern. Wir wussten nicht, was in den Heimen so schrecklich war, aber die Drohung wirkte immer, und die Angst vor dem Heim war groß.

Heute frage ich mich: Wussten die Erwachsenen, die uns so drohten, um die Erziehungsmethoden und um die furchtbaren Umstände in den Heimen? Offenbar, denn auch zur Erziehung daheim gehörten noch bei vielen "g’sunde Watsch’n", Schläge, Hausarrest und sonstige Strafen. Es hat leider sehr lange gedauert, bis man gegen diese Missstände etwas unternahm. Gewusst hatte man offenbar sehr wohl davon, denn woher wäre sonst obige Drohung gekommen?