Zum Gastkommentar von
Jennifer Uzedike, 16. November

Die App "Lernsieg" ist ein Symptom, aber keine Lösung

Vor wenigen Tagen erregte die App "Lernsieg" große mediale Aufmerksamkeit. Dabei ist der Drang von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräfte und Schulen zu bewerten, gar nichts Neues. In Deutschland gab es von 2007 bis 2014 bereits die Homepages "spickmich" und "SchulRadar", welche den selben Zweck erfüllten und nach wenigen Monaten bereits 800.000 User verzeichnen konnten.

Doch egal, wie viele Schülerinnen und Schüler "Lernsieg" tatsächlich benutzen werden: Für uns als Schülerunion ist es klar, dass die Entwicklung dieser App einerseits das Symptom von Unzufriedenheit in den Schulen Österreichs ist und andererseits aufgrund von vielen bereits geäußerten Bedenken auch nicht die Lösung dafür ist und sein kann.

Wir sehen in diesem Symptom eher den Auftrag für die momentan an einer Koalitionsvereinbarung verhandelnden Parteien, zwei Punkte ganz genau zu betrachten und zu diskutieren: Das eine ist ein tatsächliches und verankertes 360-Grad-Feedback, welches in den Schulen Österreichs selbst eine Kultur des voneinander Lernens implementiert, und andererseits die generelle Weiterentwicklung des österreichischen Bildungssystems. Denn auch wenn in den vergangenen Jahren einige Schritte getätigt wurden, gibt es sehr viele Felder, in denen Österreichs Bildungssystem Verbesserungspotenzial und auch -bedarf hat.

Wenn man in Zukunft in unseren Schulen Feedbackkultur lebt und Bildung Lust auf die Zukunft anstatt Angst vor der Zukunft macht, werden auch weniger Schülerinnen und Schüler den Drang haben, ihren Unmut mit schlechten Bewertungen in einer Handy-App zum Ausdruck zu bringen. 

Sebastian Stark,

Bundesobmann der Schülerunion

Ungleiche Pensionsalter widersprechen EU-Recht

Mit dem Pensionsaltererkenntnis aus 1990 (G223/88) hat der Verfassungsgerichtshof das unterschiedliche Pensionsantrittsalter von Mann und Frau als gleichheitswidrig gekippt. Die Politik hat daraufhin eine Frist bis Ende 2033 (!) zur Abschaffung des unterschiedlichen Pensionsalters festgesetzt.

Inzwischen hat der Europäische Gerichtshof das ungleiche Pensionsalter von Richterinnen und Richtern in Polen als gleichheitswidrig aufgehoben (C-192/18), weil die EU-Grundrechtecharta nur bei sachlich berechtigten Ausnahmen ein Abgehen von Gleichheitsgebot erlaubt. Da EU-Recht österreichischem Recht vorgeht, drohen Österreich unter anderem wegen der absurd langen Frist von 43 Jahren für die Abschaffung des unterschiedlichen Pensionsalters Sanktionen.