Europäische Solidarität - nicht für die Flüchtlinge auf Lesbos

Vor zwei Wochen bin ich aus Lesbos zurückgekommen. Erst habe ich dort ein Jahr lang die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen koordiniert, später war ich freiwillige Helferin am Nordufer der Insel. Dort kommen die meisten Menschen an. Als Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen, aber auch als Bürgerin Europas macht mich das, was ich auf Lesbos gesehen habe, traurig und beschämt. Vor allem aber macht es mich wütend. Was uns auf Lesbos beschäftigt, ist keine Naturkatastrophe. Dass Menschen unter diesen Umständen leben müssen, ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der europäischen Staats- und Regierungschefs.

Die Arbeit der Freiwilligen am Nordufer von Lesbos hat mich tief beeindruckt. Zugleich war ich schockiert darüber, dass sie die grundlegendsten Hilfeleistungen erbringen, während die eigentlich Verantwortlichen einfach wegsehen. Junge Helferinnen und Helfer erzählen mir von Albträumen nach ihren Erfahrungen auf Lesbos. Genauso geht es den Einheimischen. Viele versuchen, den Schutzsuchenden auf ihrer Insel etwas Menschlichkeit zu geben, sie zu unterstützen. Sie leisten Enormes. Aber warum wird ihnen diese Verantwortung auferlegt?

Wenn ich an Lesbos denke, kommen mir Eltern in den Sinn, die unmögliche Entscheidungen treffen müssen. Sie schämen sich, in der Klinik zu sagen, dass sie ihre Kinder schon lange nicht mehr geduscht haben. Sie fürchten eine Unterkühlung, weil es nach einer kalten Dusche keine Möglichkeit zum Aufwärmen gibt. Die Gefahr einer Hautinfektion halten sie für das kleinere Übel. Ich frage mich, wie es ihnen dabei geht, sich für eine dieser beiden schlechten Optionen entschieden zu müssen.

Ich denke an einen jungen Mann, der gefoltert wurde und schwere psychische Probleme hatte. Sichtlich verängstigt klammerte er sich an seine Bibel und einen kleinen Rucksack. Er sprach kein Wort, aber schließlich gab er mir wie aus dem Nichts eine kleine, zurückhaltende Umarmung. Mit wem spricht er nachts, wenn er einsam und verängstigt ist?

Ich bin wütend. Was wir auf Lesbos sehen, ist nicht neu. Es passiert seit Jahren und wird immer schlimmer. Ich bin wütend, weil es die Europäische Union, von der ich in der Schule gelernt habe, dass sie auf Menschenrechten und Solidarität basiert, auf den griechischen Inseln nicht gibt.

Wenn ich an Lesbos denke, denke ich an die europäischen Staats- und Regierungschefs, die genau wissen, was dort geschieht. Sie haben sich dafür entschieden, den Flüchtlingen dort nicht einmal den minimalsten Schutz zu gewähren. Und ich frage mich, wie sie nachts schlafen.

Caroline Willemen,

Ärzte ohne Grenzen

Inkosequenz und Heuchelei
in Sachen Klimaschutz

Kaum jemand redet darüber, dass wir auf dieser Erde täglich um circa 240.000 Menschen mehr werden. So wie wir, die schon da sind, wollen die Dazugekommenen auch leben, wohnen, lernen, Familien gründen, Auto fahren, im Internet surfen.

Zu viele werden von internationalen Konzernen ausgebeutet. Da wird den Leuten das Wasser abgraben, um es ihnen dann, in Flaschen abgefüllt, teuer zu verkaufen. Da beliefern europäische Chemiegiganten südamerikanische Großfarmer, damit die eine noch nie dagewesene Rindfleischproduktion aufrechthalten können. Westliche Modekonzerne schicken ihre Mannequins auf den Catwalk mit Produkten, die unter menschenunwürdigsten und umweltfeindlichsten Umständen produziert werden. Wie die seltenen Metalle in Afrika und Südafrika abgebaut werden, kümmert keinen, der ein Handy oder einen Computer hat.

Wir sind eine verlogene und wahrscheinlich auch schon verlorene Gesellschaft geworden. Wir reden von Umweltschutz und belasten die Umwelt zugleich. Wohlstand und Mammon werden uns eines Tages ein Ende bescheren.

Michael Hladik,

6161 Natters

Eine geschmacklose
Premiere am Burgtheater

Täglich werden wir überhäuft von Bildern leidender Menschen, egal, ob es solche in den Trümmern nach dem Erdbeben in Albanien oder bei den rund um den Globus stattfindenden Demonstrationen für mehr Pressefreiheit und Bürgerrechte sind. Martin Kusej mag inszenieren, wie er will, darauf heben wir leider keinen Einfluss. Dass aber die "Wiener Zeitung" eine grässliche Szene aus der neuen Inszenierung der "Hermannsschlacht" auf der Titelseite platziert, ist geschmacklos.

Manfred Schweizer,

23261 Laxenburg