Matthias G. Bernold hat sich unlängst in der Kolumne "Sun Tsu am Sporn" mit....ja mit was eigentlich beschäftigt?

Hannes Derfler ist Bezirksvorsteher von Wien-Brigittenau. - © SPÖ-Rathausklub Wien
Hannes Derfler ist Bezirksvorsteher von Wien-Brigittenau. - © SPÖ-Rathausklub Wien

Der Homepage von Herrn Bernold entnehme ich, dass er auch in den USA Journalismus studiert hat. Bisher habe ich den amerikanischen Journalismus eher geschätzt, aber offensichtlich liegt bei der Ausbildung zu diesem großartigen und wichtigen Beruf etwas im Argen, drüben bei Uncle Sam.

Nach meinem Wissen und Verständnis unterliegt die "Meinung" - von JournalistInnen gerne in Kolumnen verbreitet - ebenfalls klaren journalistischen Regeln. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass Betroffenheitsjournalismus, Vorurteile, das Durchsetzen eigener Bedürfnisse und mangelnde Recherche journalistische Tugenden sind.

Trotzdem versuche ich den Autor ernst zu nehmen. Daher jetzt einmal der Versuch, zu ergründen worum es Herrn Bernold tatsächlich geht:

Scheinbar findet er es nicht gut, dass sich der Bezirk Gedanken gemacht hat, wie und wo die von der Vizebürgermeisterin aufgestellten Regeln zu temporären Begegnungszonen sinnvoll umzusetzen sind. Es ist nun mal eine Tatsache, dass das Korsett ein enges ist und auf die Gassen und Straßen der inneren Brigittenau nicht angewendet werden kann.

Es ist auch eine Tatsache, dass ich schon seit langem eine Verkehrsberuhigung am Brigittenauer Sporn möchte. Entgegen der Annahme Herrn Bernolds, es würden sich dort nur Hasen und Igel tummeln, herrscht dort reger - mitunter chaotischer - Verkehr. Die Strecke dient als Abkürzung von und nach Döbling und wird darüberhinaus von LKW und vor allem Reisebussen gerne genützt. Die NutzerInnen des Donauradweges, die über diese Strecke oft Wien besuchen, sind, genau so wie SpaziergängerInnen, nicht selten gefährlichsten Situationen ausgesetzt.

Herr Bernold, Sie kennen die Gegend offensichtlich gar nicht. Sagen Sie mir wann und ich zeige sie Ihnen. Mit dem Fahrrad.

An anderer Stelle in der Kolumne wird behauptet, der Bezirk wehre sich gegen Begegnungszonen und 30er-Zonen, zugunsten der Autofahrer.

Jetzt bin ich sehr froh, dass Herr Bernold kein Autofahrer ist (ich hoffe es zumindest inständig). Die ganze Brigittenau ist eine 30er-Zone! Ausnahme bilden nur die größeren Durchzugsstraßen. Und was die Begegnungszonen anbelangt, wir haben im 20. Bezirk schon vor vielen Jahren solche geschaffen. Damals hat man sie "Wohnstraßen" genannt und überall wo sinnvoll und möglich, findet man sie in der Brigittenau.

Ehrlich enttäuscht bin ich allerdings, wenn ich als Pazifist - kaum mehr unterschwellig - mit einem ränkeschmiedenden Kriegsherren verglichen werde. Aufgrund der martialischen Ausdrucks- und Denkweise des Autor mag es mit ihm durchgegangen sein, guter konstruktiver Stil ist aber anders. Um den letzten Satz der Kolumne zu übernehmen: Mir ist nach der Lektüre weder zum Weinen noch zum Lachen. Aber mich hat’s köstlich amüsiert! Dafür danke!