Zum Artikel von Bernd Vasari,
3. Juni

Bezahlt wird pro Stunde,
nicht für die Konsumation

Ich wünsche den Betreibern des "Café Vollpension" mit ihrem Bezahlmodell viel Erfolg.

Da ich zu jener Generation gehöre, die den Euro noch in Schilling umrechnet, stelle ich mir vor, ob ich wirklich bereit bin, für ein Stück Kuchen (das ich nicht essen werde), für Kaffee (eine Tasse ist ausreichend) und Hauslimonade (die ich nicht trinke) knapp 130 Schilling zu bezahlen. Und das, obwohl ich zu jener privilegierten Schicht gehöre, die von der Covid-19-Krise beruflich nicht gefährdet ist, also weder von Kurzarbeit oder gar von Arbeitslosigkeit betroffen.

Aber womöglich kann es sich die kinderlose Bobo-Schicht leisten, für 10 Euro eine Stunde im Kaffeehaus zu sitzen. Wenn ich da an mich denke mit meinen vier Kindern, kostet mich die Stunde mindestens 50 Euro. Für Kaffee, Kuchen und Hauslimonade "bis zum Abwinken". Da bekomme ich woanders schon ein Mittagessen. Aber wie gesagt, viel Erfolg.

Univ. Prof. Dr. Herbert Kotzab,

1040 Wien

Zum Artikel von Petra Tempfer,
2. Juni

Einfachere Privatkonkurse wären in der Krise hilfreich

Der Artikel ist brandaktuell, und ich stimme den Inhalten voll und ganz zu. Als Gründer der Schuldnerberatung Wien und Vorkämpfer für einen Privatkonkurs fehlt mir jedoch eine sehr wichtige Information:

Die EU hat in einer Richtlinie vorgeschrieben, den Privatkonkurs - speziell für Kleinunternehmer - deutlich zu verkürzen, und zwar von aktuell fünf (Abschöpfungsverfahren) und sieben Jahren (Zahlungsplan) auf nur noch drei Jahre. Die Absicht ist klar: Ein gescheiterter Unternehmer beziehungsweise eine gescheiterte Unternehmerin soll möglichst bald wieder aktiv am Wirtschaftsleben teilnehmen können. Als Umsetzungsfrist ist der Juli 2021 vorgegeben, jedoch wurde eine Hintertür für säumige Staaten offen gelassen, die Umsetzung ein weiteres Jahr hinauszuzögern.

Es ist zu befürchten, dass Österreich von der Verlängerung zur Gesetzesumsetzung Gebrauch machen wird. Das wäre das Gegenteil der aktuell beschworenen Hilfen für Unternehmer.

Alexander Maly,

1200 Wien