Unsere Gesellschaft für
die Zukunft umgestalten

Gegen den Klimawandel hilft keine Maske, und es wird auch nie eine Impfung dagegen geben. Wenn wir jetzt zögern, verspielen wir die Chance, die Lebensgrundlagen für die Generation von morgen zu sichern. Es wäre fatal, jetzt Umweltschutzauflagen als Hindernis für die Wirtschaft zu sehen. Sie können vielmehr ein Motor für zukunftsorientiertes Wachstum sein, wenn man die Rahmenbedingungen dafür richtig setzt. Ebenso wäre es katastrophal, Arbeitnehmerrechte auszuhöhlen und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Gewerkschaften zu schwächen.

Was es jetzt braucht, sind Unternehmen, die bereit sind, nach vorne zu blicken, und die gestalten wollen. Und politische Gestalterinnen und Gestalter, die das unterstützen. Die Zeit ist gekommen, schon lange geforderte Änderungen im Steuersystem anzupacken. Nach den unmittelbaren Unterstützungsmaßnahmen in der Corona-Krise sollte nun eine Zeit der Reformierung folgen.

Es gilt, unseren Standort zukunftsorientiert und dennoch wirtschaftsfreundlich auszurichten. Die Corona-Krise hat ihren Preis, das steht fest. Wir können aber entscheiden, ob wir diesen Preis zulasten kleiner und mittlerer Einkommen und durch Schulden für künftige Generationen bezahlen möchten oder über CO2-
Steuern und Abgaben für Finanztransaktionen.

Die Zeit ist gekommen, das Wohl vieler über den Profit weniger zu stellen und endlich anzupacken, was viele Expertinnen und Experten seit Jahren fordern. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob die Krise tatsächlich eine Chance für unsere Gesellschaft ist oder aber ein Vergrößerungsglas für Ungerechtigkeiten, die immer weiter zunehmen. Wir haben es selber in der Hand, für Veränderung zu sorgen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.

Hartwig Kirner,

Fairtrade Österreich

Die Miliztruppe als
Kern des Bundesheers

Immer stärker greift der Denkfehler um sich, dass die Miliz ein unterstützender Teil für das Bundesheer sei. Tatsache ist, dass das Heer milizartig zu strukturieren ist. Davon wollen aber die Herren der obersten Führungsetage nichts wissen.

Die Miliztruppe ist für den Einsatz vollständig auszurüsten und mit Übungen vorzubereiten. Alles andere ist Scharlatanerie auf Kosten der Männer und Frauen, die zurzeit ohnehin nur als freiwillige Idealisten bereitstehen. Milizbeorderte Beamte sind ein unnötiger Füllstoff, der unter anderem zum attraktiven Auslandsdienst hinschielt. Zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer. Ein Beamtenheer im doppelten Wortsinn.

Ernst Steinbrenner,

3150 Wilhelmsburg

Erinnerungen an
Österreichs EU-Beitritt

Am 12. Juni jährte sich wieder der Tag, an dem Österreichs Bevölkerung im Jahr 1994 mit großer Mehrheit für den Beitritt unseres Landes zur Europäischen Union gestimmt hat. Diesem denkwürdigen Tag gingen ereignisreiche Tage und Nächte in Brüssel Ende März 1994 voraus, in denen die Bedingungen für die Mitgliedschaft mit den Vertretern der EU festgelegt wurden.

Mit Recht denken wir in diesem Zusammenhang an Franz Vranitzky, Alois Mock, Franz Fischler, die Chefs der Sozialpartnerorganisationen. Auf der EU-Seite bleibt vor allem Jacques Delors, der mächtige Präsident der EU-Kommission, in Erinnerung, der die geschichtliche Bedeutung des Beitritts Österreichs zu den europäischen Institutionen erkannte und sein ausschlaggebendes Wort für Österreich - und damit für Europa - in die Waagschale warf.

Auf österreichischer Seite verhandelte der äußerst versierte Finanzminister Ferdinand Lacina mit Delors unter anderem die Transitfrage. Heute hat sich Lacina fast vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Umso wichtiger erscheint es, dass sein Name unter den entscheidenden Persönlichkeiten aufscheint, die so wirksam zum Erfolg der Beitrittsverhandlungen beigetragen haben. Denn Lacina und Delors hatten ein freundschaftliches Vertrauensverhältnis aufgebaut, das sich als äußerst wirksam herausstellen sollte.

Bei der Beitrittszeremonie auf Korfu kam ich in einer Reihe mit Staatssekretärin Brigitte Ederer und Lacina zu sitzen. Als Ederer erwähnte, sie habe gelobt, bei einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen nach Mariazell zu pilgern, meinte ich halb im Scherz: "Also wirklich, Frau Staatssekretärin, jetzt nehmt’s uns Schwarzen Mariazell auch schon weg!" Hierzu meinte Lacina lachend: "Ja, ja, Herr Botschafter, jetzt gemma aufs Ganze!"

Mit politischer Farbenlehre hatte das "Busserl von Brüssel" wenig zu tun: Hier umarmte ein älterer Herr - Alois Mock - die junge, verdiente Staatssekretärin und gab damit zu verstehen, dass ein gemeinsamer Weg Österreichs in die Zukunft festgelegt wurde.

Dr. Wolfgang Wolte,

Botschafter i.R., per E-Mail