Zum Interview von
Martin Tschiderer, 22. August

Schulkinder mit Migrationshintergrund

Melisa Erkurt (Autorin des Buches "Generation Haram", Anm.) hat mit ihren 29 Jahren zwar sicher viel Erfahrung, was die Behandlung von Migranten betrifft, aber als Lehrerin wohl kaum. Ihre Darstellung der Situation ist nämlich ausgesprochen einseitig.

Ich habe 36 Jahre Erfahrung als AHS-Lehrerin für Deutsch, und in unserer Schule gab es auch Kinder mit Migrationshintergrund, mit anderer Religion und Hautfarbe und Flüchtlingskinder (etwa aus Bosnien). Ich habe nie erlebt, dass sie schlechter behandelt wurden als einheimische Kinder, sehr wohl aber, dass bei jeder Art von (berechtigter) Kritik manche Eltern gleich von Diskriminierung geredet haben.

Ich habe auch erlebt, dass Eltern, die bereits als Kleinkinder nach Österreich kamen, ihren Kindern weder ihre eigene Muttersprache noch die deutsche Sprache beibrachten. Andererseits gab es Eltern, die sich jede erdenkliche Mühe gaben, ihren Kindern Sprache und Kultur des Gastlandes möglichst schnell nahezubringen. Wenn Eltern sich aber nicht darum kümmern, ob ihre Kinder, statt in die Schule zu gehen oder Aufgaben zu machen, in Einkaufszentren herumhängen, kann man das nicht den Lehrern oder der Politik anlasten! Da gibt es schon eine Bringschuld.

Was die vielgeschmähten Deutschklassen betrifft, so lernen die Schüler dort Grammatik und Rechtschreibung und sie erweitern ihren Wortschatz über die Alltagssprache hinaus. In der Klasse lernen sie nur die Umgangssprache, die natürlich auch wichtig, aber für Erfolg in der Schule und im Leben nicht ausreichend ist. So zu tun, als würden Kinder durch diese Kurse von ihren Mitschülern isoliert, ist Unsinn.

Und dass heutzutage in der AHS Goethe gelesen wird, wie Frau Erkurt behauptet, kann auch nur jemand sagen, der keine Ahnung hat! Leider wird die Literatur dank der unsäglichen Schulreform von Ministerin Claudia Schmied total vernachlässigt, sodass in einigen Jahren wohl kein Mensch mehr die Texte der Klassiker oder jene von Nestroy und Raimund verstehen wird.

Dr. Margit Kraker,

1090 Wien

Angriffe auf die jüdische Gemeinde in Graz

Keine Gewalttat ist zu rechtfertigen - gegen niemanden! Und wenn ein Flüchtling aus seiner Vergangenheit unbewältigte Bitternis mitbringt, kann natürlich nicht akzeptiert werden, dass hier in einem anderen Land an Menschen und Gütern Rache geübt wird. Alle Verantwortungsträger, vom Bundespräsidenten abwärts, alle Kirchenvertreter beeilten sich, sich zu äußern. Ein Täter und ein solches Ausmaß an Reaktion! Die Tat eines Einzelnen wurde sofort zur Belastung aller Flüchtlinge, besonders der vielen muslimischen. Also sofort eine vertiefende Studie über den politischen Islam und zu linken oder israelkritischen Antisemitismus.

Ich wünsche mir einen vergleichbaren Aufschrei gegen die ständigen Menschenrechtsverletzungen in Israel an den Palästinensern, die fast alle ungeahndet bleiben. Und ich rede auch nicht von den im Stich gelassenen Flüchtlingen im Mittelmeer und von den Geretteten, mit denen Italien allein gelassen wird. Kein Aufschrei! Schlafende Medien und wegschauende Politiker!

Karl Helmreich,

2552 Hirtenberg

Pläne zur Erweiterung des
Skigebiets im Stodertal

Die aktuell geplante vorderstodersche und hinterstodersche Umweltzerstörung liest sich wie aus einer anderen Zeit. Rodungen wie beim rücksichtslosen brasilianischen Kapitalismus sind da geplant! Vollgedrängte Gondeln mit Gesichtsmaskenausgabe, Nebenerwerbslandwirte als winterliche Skibügel-Einhänger, Brauereiverträge, Parkplatzautomaten, das sind die gesellschaftlichen Pfeiler (neben den Lift- und Seilbahnpfeilern), von denen sich Gemeindepolitiker und Hintergrundgeldgeber ein Wirtschaftswunder inmitten von Oberösterreichs schönster Natur versprechen.

Damit die winterliche Natur in Zeiten des Klimadesasters herbeigezwungen werden kann, opfern wir noch das letzte Grundwasser für eine Mega-Beschneiungsanlage. Im Sommer werden verlassene Stahlskelette an den Berghängen dastehen, verstaubte Asphaltflächen, geschlossene Gasthäuser. Und wieder werden die Jungen ihre Bürgermeister nach besseren Perspektiven fragen.

Fritz Baumgartner,

4222 St. Georgen/Gusen

Zwischen Skitourismus
und Umweltschutz abwägen

Ich gehöre zu den Stoderer "Ureinwohnerinnen", lebe gerne hier und habe mein gesamtes Leben im Ehrenamt unentgeltlich für diesen Ort gearbeitet. Ja, es gibt auch in Vorderstoder Menschen, die nicht vom Tourismus leben, aber alle Auswirkungen davon mittragen, die guten wie die schlechten. Es ist unser Recht und unsere Pflicht, mitzureden, wie sich unser Ort weiterentwickeln soll.

Die Argumente gegen die Skigebietserweiterung sind bekannt. Kleinräumig sind die Fragen des zunehmenden Verkehrs, die Sicherung unserer Trinkwasserversorgung, die Bodenverdichtung durch Parkplätze, Lärm und Lichtverschmutzung wichtige Themen, die wir wohlüberlegt diskutieren müssen. Die großen Fragen der Klimaerwärmung und der generellen Kritik am Ski- und Massentourismus dürfen wir dabei nicht aus den Augen verlieren.

Die wirklich zentrale Frage für mich ist aber die nach dem wahren Wert unserer einzigartigen Naturlandschaft. Unsere Natur hat einen Wert, den niemand in einem Preis darstellen kann. Sie wurde uns geschenkt. Gehen wir achtsam damit um.

Siegrid Berger,
4574 Vorderstoder

Kulturgenuss bei den
Tiroler Festspielen Erl

Dass man auch in schwierigen Zeiten mit kulturellem Angebot erfolgreich sein kann, haben das - sonst eher der schweren klassischen Musik zugetane - Tiroler Festspielhaus in Erl, der Tiroler Volksmusikverein, Musiker aus dem Alpenraum und letztlich auch das hervorragende Ensemble Flo’s Jazz Casino bewiesen. Erl löste die Abstandsregel für die Zuschauer bravourös durch eine schachbrettartige Platzverteilung. Die damit nur halbe Menge an "Zualosern" spendete jedoch so stürmischen Applaus, als wäre es ein volles Haus gewesen.

Der Beweis ist erbracht: Wenn mehrere dasselbe Ziel wollen, dann gelingt’s auch. Ein großes Bravo allen vor, hinter und auf der Bühne in Erl und an die dafür erforderlichen Organisationen. Bleibt zum Schluss nur die Hoffnung, dass das nicht eine einmalige Aktion war.

Michael Hladik,
6161Natters