Eine Corona-Ampel ohne politische Einflussnahme

Vor zwei Wochen war sie noch gelb: Corona-Ampel vor einer Volksschule in Wien. - © apa/Roland Schlager
Vor zwei Wochen war sie noch gelb: Corona-Ampel vor einer Volksschule in Wien. - © apa/Roland Schlager

Ich bin jemand, die sich in den letzten 25 Jahren mit Statistik beschäftigt hat, die für die österreichische Bundesregierung (vor allem das Außenministerium) zu erstellen war, und kenne daher aus der Praxis die Einflussnahme der Politik auf Daten und Fakten. Ich musste dabei immer wieder beklagen, dass die laut UNO-Grundsätzen für Statistik (die auch für Österreich gelten) vorgesehene Entkoppelung von Politik und statistischer Arbeit nicht berücksichtigt wird.

Genau das führt auch zum aktuellen Corona-Ampel-Chaos: Die Ampel würde absolut Sinn machen, würde man sie strikt als Analyseinstrument verwenden und die politische Funktion der Erstellung von Verhaltensregeln völlig abkoppeln. Ein Expertenteam könnte dann auf Basis von transparent gemachten Indikatoren regionale Einschätzungen der Corona-Lage treffen - und zwar unbeeinflusst von politischen Interessen. Die Ampel wäre nicht nur ein Signal an die Bevölkerung, sondern auch eine Faktengrundlage für politische Entscheidungen, die jedoch auf strikt getrennter Ebene erfolgen müssten.

Der versuchte Einsatz der Corona-Ampel als Instrument zur Vermittlung von Verhaltensregeln hat sie auch als Analyseinstrument ruiniert, sodass ihre Schaffung reine Ressourcenvernichtung war, denn sie taugt nun weder für das eine noch das andere.

Ein mutiger, tatsächlich faktenorientierter politischer Schritt wäre der nachträgliche Umbau der Ampel zu dem erwähnten reinen Analyseinstrument. Sie würde dadurch in der Bevölkerung an Glaubwürdigkeit gewinnen und Klarheit schaffen: Die Ampel zeigt die reine Faktenlage an, die Verhaltensregeln werden von der Politik entschieden und mit Hilfe anderer Instrumente - nicht der Ampel - kommuniziert.

Hedwig Riegler,

1020 Wien

Elf Tage zu kurz für
die Staatsbürgerschaft

Meine Schwiegertochter (gebürtige Kolumbianerin) ist seit 21 Jahren mit meinem Sohn (gebürtiger Österreicher) verheiratet und hat in Wien zwei Kinder geboren. Ein Kind lebt bis heute durchgehend in Österreich, das zweite Kind geht seit zwei Jahren in die Internationale Tennisschule von Rafa Nadal in Spanien. Da die Tochter noch minderjährig ist und kein Internatsplatz verfügbar war, musste meine Schwiegertochter zur Betreuung mitgehen.

Grundsätzlich kein Problem, da die Firma meines Sohnes auch Geschäfte in Spanien macht und eine geteilte Betreuung möglich ist. Problematisch jedoch für die MA 35 (Einwanderungsbehörde) und das Verwaltungsgericht, welche entschieden haben, dass meine Schwiegertochter keinen Anspruch auf die Staatsbürgerschaft hat. Begründung: Meine Schwiegertochter hat sich in den vergangenen 15 Jahren um 11 Tage zu wenig in Österreich aufgehalten.

Das Groteske daran ist, dass die Behörde über zwei Jahre den Staatsbürgerschaftsantrag nicht bearbeitete und erst auf Anfrage der Volksanwaltschaft aktiv wurden. Für die Behörde hatte dies keine Konsequenzen, für meine Schwiegertochter aber sehr wohl. Denn sie bleibt jetzt trotz 21-jähriger Ehe, zweier in Österreich geborener Kinder und jahrelanger Berufstätigkeit als Einzige in der Familie ohne Staatsbürgerschaft.

Die Begründung halte ich für unmenschlich und nicht nachvollziehbar. Ist das tatsächlich das Land, das für Freiheit und Völkerverständnis steht?

Ingeborg Halzl,

1010 Wien

Geschichtsverständnis
dank der "Zeitreisen"

Ich habe wie unzählige andere Absolventen von Gymnasien viele Jahre hindurch Geschichtsunterricht über mich ergehen lassen. Dieser Gegenstand hat mich weder geängstigt (wie Mathematik) noch beschämt (wie Leibesübungen) oder verärgert (wie der Religionsunterricht). Der Geschichtsunterricht war zwar da - aber er war für mich bedeutungs- und daher wirkungslos. Er behandelte ausschließlich Kaiser, Könige und Kriege. Das Leben der sogenannten "einfachen Menschen" ist nicht vorgekommen.

Vor eineinhalb Jahrzehnten ist die bunte Monatsbeilage der Wiener Zeitung erstmals in meine Wahrnehmung getreten. "O je, Geschichte - weg damit!", war meine erste Reaktion. Mit einiger Verzögerung habe ich verstanden, dass die "Zeitreisen" genau dafür stehen, was mir beim schulischen Geschichtsunterricht so sehr gefehlt hat: die Lebensumstände der "einfachen Menschen", ihre Leistungen, ihre Schicksale, ihr riesiger Anteil am Werden des Heute. Die Beiträge der "Zeitreisen" geben Aufschluss über das Entstehen von Mentalitäten und Traditionen, die uns noch heute prägen.

Ich könnte meiner derzeitigen beruflichen Arbeit im Bereich der systemischen Bildungsentwicklung ohne jene Perspektive von Geschichte, für die die "Zeitreisen" stehen, nicht nachgehen. Ganz besonders wichtig sind die Quellenhinweise. So habe ich erfahren, dass etwa über jene Aspekte von Geschichte, die die Entwicklung der Bildungssysteme betreffen, eine breite zeitgenössische Literatur vorhanden ist, die das historische Werden so mancher heute vielbejammerter Ist-Zustände deutlich macht - wie der aus den 1780er Jahren stammende schulföderale Irrgarten etwa, der als Kanalsystem für das Spitzelwesen konzipiert worden ist und bis heute nachwirkt.

Solches Wissen schafft Verständnis. Das Wissen um und das Verstehen von historischen Entwicklungen etwa im Schulbereich nimmt Aggressivität aus der Debatte und weist Wege hin zu zeitgemäßen und wirkungsvollen, weil vergangenheitssensiblen Reformen.

Ernst Smole,

per E-Mail

Zur Kolumne von Ralf Beste,
16. September

Ein freundlicher Blick
auf Österreich

Die Beiträge des deutschen Botschafters Ralf Beste sind herrlich zu lesen! Hier wird uns liebevoll der Spiegel vorgehalten. Ich hoffe, dass diese Kolumnen einmal gesammelt erscheinen werden?

Dr. Mag. Franz Kotrba,

2352 Gumpoldskirchen