Zum Gastkommentar von
Ulrich H.J. Körtner, 8. Oktober

Zur Kritik an der neuen Enzyklika des Papstes

Auch von den eigenen Leuten wurde die neue Enzyklika des Papstes geringgeschätzt - Kritik am nicht gendergerechtem Titel ("Fratelli tutti" - "Alle Brüder") kam nicht nur von Frauen, sondern auch von Männern der Hierarchie. Inhaltliche Auseinandersetzung blieb weithin aus. Professor Ulrich H. J. Körtner nun bemängelt die Inhaltsleere der Botschaft von der Liebe als treibender Kraft in Politik und Gesellschaft. Der Papst "redet sich die Welt schön und weiß seine utopische neue Welt theologisch nicht vom Reich Gottes zu unterscheiden", so Körtners Kritik.

Aus welcher Perspektive redet dieser Papst? Er hat die Folgen von Armut als Folge von imperialen Zugriffen in Argentinien erlebt; er hat die Aussichtsplattform des Elfenbeinturms der Theologinnen und Theologen verlassen und seine Berufung sichtbar widerstrebend angenommen; er sieht, dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann.

Der Komplexität der Ergebnisse menschlichen Fehlverhaltens über Jahrhunderte hinweg setzt er zwar keine zusätzliche Analyse entgegen, aber er wirbt für "politische Nächstenliebe" in Zeiten von Social Distancing - das wäre auch Hilfeleistung in unmittelbarer Nachbarschaft und kann sehr realistisch Lebenswelten verändern.

Barbara Rauchwarter,

per E-Mail

Betreuung von Senioren
in der Corona-Krise

Meine 88-jährige Mutter fühlt sich im Pensionistenhaus sehr wohl. Sie ist neun Jahre nach dem Tod meines Vaters eingezogen und knüpfte viele Kontakte. Als die Corona-Maßnahmen gesetzt wurden, war das kein Problem für sie. Da alles getan wurde, dass das gesamte Haus gesund bleibt, war es auch für mich eine Beruhigung.

Die Personen auf der Bettenstation wurden sehr gut betreut. Man achtete darauf, dass die Bewohner in ihren Wohnungen Abwechslung hatten. Es wurden Zeitschriften, Rätselhefte und Zeitungen gratis verteilt. Sie konnten sich auch gegenseitig besuchen und der Garten war ebenfalls für alle geöffnet. Als ich sie wieder besuchen durfte, wurde Fieber gemessen, man musste sich in eine Liste eintragen, die Hände desinfizieren und der Nasen-Mund-Schutz war Pflicht.

Die Idee kleinerer Häuser oder Wohngemeinschaften klingt gut, ist aber mit höheren Kosten verbunden. Das können sich nicht alle leisten, und ob die Angehörigen mitzahlen wollen oder können, ist auch nicht gesichert. Die Allgemeinheit wird über eine Mitfinanzierung nicht begeistert sein. Pensionisten werden ja vor allem als finanzielle Belastung erachtet. Speziell die Generation, die das Land nach dem Krieg aufgebaut und bis zur eigenen Pensionierung ins System eingezahlt hat.

Brigitte Blaim,

1170 Wien