Nicht nur zwei Kandidaten
bei der Wahl in den USA

Es ist schlichtweg falsch, wenn in praktisch allen Medien immer von "den" zwei Präsidentschaftskandidaten geschrieben wird. Es ist eine Vielzahl von Kandidaten angetreten - teils nur in einzelnen Staaten, teils als Einzelkämpfer, teils waren sie von kleineren Parteien nominiert.

Richtig wäre gewesen: "Es treten zahlreiche Kandidaten an, von denen jedoch nur zwei aufgrund des undemokratischen Mehrheitswahlrechts eine realistische Chance haben, zu gewinnen." Der einzige Kandidat einer Kleinpartei, der medial genannt wurde, ist Kanye West von der Birthday Party, jedoch nicht wegen des Wahlprogramms, sondern wegen seines Brotberufs als Rapper.

Gäbe es das zweistufige Modell wie in Österreich und vielen anderen Staaten (erster Wahlgang mit allen Kandidaten, zweiter Wahlgang als Stichwahl), hätten auch Kandidaten kleinerer Parteien die Chance, eventuell sogar in die Stichwahl zu kommen. Den besten Beweis hiefür liefert die vergangene österreichische Präsidentenwahl zwischen den Kandidaten von Grünen und FPÖ. Mit dem US-Wahlsystem wären sie chancenlos geblieben.

Peter Baalmann,

4890 Frankenmarkt

Das Präsidentenamt und
der Mensch dahinter

Donald Trump oder Joe Biden: der Böse gegen den vermeintlich Guten? Der brutale Chaot gegen einen Mann mit eher leisen Tönen? Beide wollen die Wahl gewinnen, es gibt jedoch nur einen Gewinner. Das allein gilt, und nicht vorrangig, wie es menschlich um sie bestellt sein möge (beide befürworten die Todesstrafe). Und es spielt hierbei keine Rolle, ob sie politisch gesehen mehr dem linken oder dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Der gewählte Präsident wird von seinen jubelnden Wählern nun ausschließlich als Präsident wahrgenommen - der Mensch dahinter zählt in diesem Augenblick nicht.

Wilhelm Westerkamp,

per E-Mail

Viele Heldinnen und Helden der Wiener Terrornacht

Ich war diesen Montag während des Terroranschlags mit Freunden im "Bermudadreieck" unterwegs, und auch unser Lokal ("Philosoph") wurde angegriffen. Dort konnten wir uns aufgrund des schnellen und geistesgegenwärtigen Handelns eines Kellners in den Erdkeller des Lokals retten. Dennoch wurden fünf Personen verletzt, von denen meiner Ansicht nach zumindest vier schwer verletzt wurden: zerschossene Arme, durchschossene Schulter und überall Blut.

Wir haben versucht, so notdürftig wie möglich die Verwundeten erstzuversorgen, mit den Gegenständen, die wir im Keller finden konnten. Wir haben Druckverbände mit T-Shirts, Pullovern, Westen und einem Stück Holz angelegt, um die starken Blutungen zu stoppen. Aufgrund der nach wie vor vorhandenen Gefahr im Gebiet um die Synagoge und die Ruprechtskirche durften keine Rettungskräfte zu uns durchgelassen werden.

Aus meinem Erlebnis kann ich sagen, dass schwerverwundete Menschen, die nach Schussverletzungen um ihr Leben kämpfen, kein schöner Anblick sind. Umso unverschämter finde ich, dass in der Berichterstattung immer nur bestimmte Personen und Personengruppen hervorgehoben werden. Ein Medium hatte sogar die Unverschämtheit, einen Artikel mit der Überschrift "Die drei Helden des Wiener Terroranschlags" zu verfassen. Diese drei Personen waren sicher Helden, aber nicht "die Helden" des Wiener Terroranschlags. Jede Person, die bei uns mitgeholfen hat - gleichgültig, in welcher Art und Weise -, war und ist ein Held, eine Heldin, und hat es verdient, dass ihm und ihr der notwendige Respekt entgegengebracht wird.

Stephan Eder,

per E-Mail

Jung, arbeitslos
und radikalisiert

Ein zwanzigjähriger österreichischer Staatsbürger, offenbar gesund und arbeitsfähig, ist nach Schul- und Ausbildungsabbruch arbeitslos und Bezieher der Mindestsicherung. Im Bereich der - noch dazu relativ hohen - Jugendarbeitslosigkeit ziehen wir ja offensichtlich solche Aussteiger und für Radikalisierung anfällige Bürger geradezu heran. Und dann wundern wir uns über einen Terroranschlag, der von einer solchen Person verübt wird? Auch dieser Umstand gehört untersucht und evaluiert! Hier ist das Schulsystem genauso gefordert wie der sogenannte Sozialstaat!

Günter Braun,

1020 Wien