Sanitätskräfte - Lückenbüßer ohne Perspektiven

Sanitäter mit einem Infrarot-Fieberthermometer. - © apa/Helmut Fohringer
Sanitäter mit einem Infrarot-Fieberthermometer. - © apa/Helmut Fohringer

Der Ruf nach Sanitäter*innen ertönt oft in Ausnahmesituationen. Die Verantwortlichen und die Öffentlichkeit erwarten Profis, die rund um die Uhr verfügbar sind, uns vor dem Schlimmsten bewahren, die Antworten und Lösungen parat haben für Situationen, die uns aus unserem Alltag reißen.

So gestaltet sich auch die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie: Wir sind in einer weltweiten Ausnahmesituation, speziell im Gesundheitsbereich. Während auf der einen Seite über Herausforderungen in Pflegeheimen, die Situation in Krankenhäusern und Triage auf Intensivstationen debattiert wird, werden auf der anderen Seite unter dem öffentlichen Wahrnehmungsradar Kräfte mobilisiert, um Großprojekte wie Massentestungen und Impfungen umzusetzen.

Dabei setzt man auf die Ressource "Rettungssanitäter": einen im Register der Gesundheitsberufe nicht erfasster Gesundheitsberuf, der dank Freiwilligkeit, Zivildienst und Freiwilligem Sozialem Jahr auf einen so scheint’s unerschöpflichen Pool hochmotivierter Personen zurückgreift. Die im gesamten Gesundheitswesen am geringsten ausgebildete Tätigkeitsgruppe ist immer schon an vorderster Front bei Unfällen oder medizinischen Notfällen im Einsatz. Zu ihr gehören auch jetzt jene, die Schwerstkranke transportieren, versorgen und dabei keinen Sicherheitsabstand einhalten können. Trotz Schutzmaßnahmen kommt es auch immer wieder zu Covid-Erkrankungen unter den Kolleginnen und Kollegen.

Es ist ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden. Es ist aber kein schönes Gefühl, ausgenutzt zu werden. Die Grenze zu ziehen, fällt manchmal schwer, besonders wenn man kein Mitspracherecht hat. Im Schnellverfahren wurde nun allen Sanitäterinnen und Sanitätern die Kompetenz zur Abstrichabnahme (Nasen- und Rachenabstrich) verliehen. Nun sollen sie auch impfen dürfen. Freilich sind das alles Tätigkeiten, die jedermann gut und rasch lernen kann und bei denen das Risiko überschaubar bleibt. Und in der Not muss man mit den Ressourcen arbeiten, die vorhanden sind.

Öffentlich wird der Eindruck erweckt, es handle sich bei Sanitäterinnen und Sanitätern um hochkompetente Fachkräfte: Wir halten das für Etikettenschwindel. Österreich hat unbestritten eines der besten medizinischen Versorgungssysteme. Der Rettungsdienst wird darin jedoch nicht erfasst und befindet sich deshalb in einem qualitativen Vakuum.

Seit Jahren engagiert sich der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD) für eine umfangreichere und an internationale Standards angepasste Ausbildung für das Rettungsdienstpersonal. In der Pandemie zeigt sich, wie abhängig das Land von gut ausgebildeten Sanitäterinnen und Sanitätern ist. Der BVRD fordert daher:

die Schaffung eines Berufsbilds für Sanitäter einhergehend mit einer mehrjährigen Ausbildung;
die Anerkennung von Sanitätern als Gesundheitsberuf und die Aufnahme ins Gesundheitsberuferegister;
Durchlässigkeit hin zu anderen Gesundheitsberufen sowie die Schaffung von Berufspfaden und Entwicklungsmöglichkeiten;
eine Ausbildung auf Basis evidenzbasierter Standards nach internationalem Vorbild;
die Etablierung organisationsunabhängiger, österreichweiter Ausbildungsinstitutionen.

Bundesverband Rettungsdienst,

per E-Mail

Zum Gastkommentar von
Herbert Kickl, 15. Dezember

Verfehlte Kritik an den Corona-Massentestungen

Auf den ersten Blick mag der FPÖ-Klubobmann vielleicht recht haben, wenn er Beschaffung und Preis der Testkits für die Antigen-
Schnelltests kritisiert. Aber wie heißt es so schön: "Wer billig kauft, kauft teuer." Und da in der Berichterstattung über die Massentests nichts von einer hohen Zahl falscher Testergebnisse zu lesen und hören war, liegt die Vermutung nahe, dass die verwendeten Testkits doch einem gehobenen Qualitätslevel entsprachen. Und Qualität kostet nun einmal.

Johann Ziegler,

3400 Klosterneuburg

Griechenlands und Europas Umgang mit Flüchtlingen

Flüchtlinge auf griechischen Inseln versinken in Schlamm und Dreck. Journalisten werden ausgeschlossen. Über die Verwendung der EU-Flüchtlingshilfen gibt es keine nachvollziehbare Überprüfung. Dazu schweigt die feine Gesellschaft in Brüssel, Wien und Berlin aus Angst, dass Griechenland die Flüchtlinge entlässt und sich ihre Ströme über das Festland nach Mitteleuropa bewegen.

Dkfm. Johann Fuchshuber,

4710 Grieskirchen

Gedanken zu einem
friedvollen Lebensende

Der Verfassungsgerichtshof hat entschieden, sogenanntes "würdiges Sterben" zu ermöglichen. Als Palliativmedizinerin bin ich von dieser Entscheidung tief erschüttert. Natürlich haben wir manchmal mit der Bitte nach aktiver Beendigung des Lebens zu tun. Gerade aber das gemeinsame Ringen um eine andere gute Lösung der Linderung der Not hat, in den meisten Fällen sogar sichtbar, ein friedliches Sterben ermöglicht.

Ich beobachte auch, dass sterbende Menschen mit gleichen Organschäden unterschiedlich lange Sterbephasen haben. Hat das Sterben also möglicherweise noch andere Dimensionen als medizinisch und naturwissenschaftlich erklärbar? Kann es sein, dass das Sterben wie ein nach Hause Kommen ist, bei dem alle Abzweigungen genommen werden müssen?

Dazu eine Geschichte: Ein Mensch beobachtete einmal einen Schmetterling und sah, wie sehr sich dieser abmühte, durch das enge Loch aus dem Kokon zu schlüpfen. Da bekam der Mensch Mitleid, holte ein Messer und weitete vorsichtig das Loch im Kokon, damit sich der Schmetterling leichter befreien konnte. Der Schmetterling entschlüpfte sehr schnell und sehr leicht. Doch er konnte nicht fliegen. Da fragte er einen Biologen, warum der Schmetterling jetzt nicht richtig fliegen könne. Der Biologe erklärte ihm, dass es wichtig sei, durch den großen Druck Flüssigkeit in die Flügel zu quetschen, damit diese sich dann entfalten können.

Kann es nicht auch sein, dass wir die Flügel unseres Schmetterlings irgendwann einmal zum Fliegen brauchen? Wenn wir heimkommen.

Dr. Veronika Praxmarer PM.ME,

4840 Vöcklabruck