Zum Gastkommentar von
Andreas Kirschhofer-Bozenhardt, 16. Dezember

Die schwindende Bedeutung von Religion und Kirche

Das Gemeinschaftliche der Gläubigen und ihr Glaube haben einst deren soziale Existenz mitbestimmt, das ist unbestritten. Aber was soll daran schlecht sein, dass andere Gemeinschaften und Ideen diese Aufgabe übernommen haben? Der Autor, übrigens auch die Autorin der zitierten Studie, wünschen sich offenbar wieder rigidere Moralvorstellungen. Was ist gemeint? Nächstenliebe, Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit? Gibt es davon heute weniger als vor 80 oder 100 Jahren? Oder wünschen sie sich die Rückkehr einer frauenverachtenden Sexuallehre, der Verteufelung von Homosexualität und die Wiederauferstehung eines Sündenkatalogs als Korrektiv?

Diese Zeit sollte endlich vorbei sein. Ich bin froh, dass meine Kinder und Enkel ihr Leben selbst bestimmen können. Unverständlich ist, wenn der Autor zwei so unterschiedliche Begriffe wie Egozentrismus und individuelle Autonomie in denselben Topf wirft. Insgesamt ist der Jammerton des Autors schwer auszuhalten. Verständlich aber insofern, weil er die Schuld für den Zustand der Kirchen woanders sucht, nur nicht bei diesen selber.

Otto Diendorfer,

4150 Rohrbach-Berg

Das Gemeinsame im
Glauben stärken

Vielleicht könnte man, wie bei Betrachtung eines Gemäldes, einen Schritt zurücktreten und versuchen, eine gesamtheitliche Position einzunehmen. Soll heißen: das Verbindende in den drei großen abrahamitischen Religionen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen und aus dieser Geisteshaltung heraus einen verbindenden Ritus zu entwickeln, den jedermann/-frau mitfeiern kann.

Es gibt mehr Gemeinsames als Trennendes. Auch für die anderen Religionen dieser Welt, selbst für Atheisten, kann man gültige Worte des Menschlichen finden. Vielleicht die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden in irgendeiner Weise in den Mittelpunkt stellen. Trost aussprechen für die Leiden dieser Welt, wechselseitige Hilfe und Miteinander betonen. Und statt über strenge Dogmen nachzudenken, die gemeinsame Hoffnung betonen.

Dr. Helga Künzl,

per E-Mail

Zum Leitartikel von Brigitte Pechar, 15. Dezember

In der Pandemie freiwillig
das Notwendige tun

Danke für diesen hervorragenden, sachlichen Artikel über die Diskrepanz zwischen dem, was die Leute einfordern, und dem, was sie bereit sind, selber beizutragen. Anstatt froh zu sein, dass wir in einer Demokratie leben, in der wir uns freiwillig vernünftig verhalten können, scheint es für eine Reihe von Leuten ein großes Vergnügen zu sein, sich - wenn nicht kontrollierbar - anders zu verhalten, als es eigentlich sinnvoll wäre. Sonst hätten wir nicht so hohe Infektionszahlen, obwohl Gastronomie und Hotellerie geschlossen sind und keine kulturellen oder keine sportlichen Veranstaltungen stattfinden.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass es Leute gibt, die tun, was ihnen gerade gefällt, und wenn sie dadurch sich oder anderen schaden, soll es der Staat wiedergutmachen.

Das Schlussplädoyer bezüglich der Regeln - "Es gilt, was bereits seit März dieses Jahres gilt ..." - würde ich als Motto der Pandemie-Zeit auf Litfaßsäulen schreiben. Wenn sich alle daran hielten, würden wir uns viele Verordnungen ersparen!

Dr. Veronika Erich,

2340 Mödling

Klare Worte zu einem wichtigen Thema

Gratulation zu diesen klaren Worten - aber die Angesprochenen werden die Worte nicht lesen oder ignorieren. Leider.

Dr. Hermann Markut,

4600 Wels

Zum Artikel von Alexandra Grass, 15. Dezember

Wie Jugendliche die Covid-Krise meistern

Immer öfter wird in den Medien von einer "Corona-Generation" gesprochen, ja sogar schon von einer "verlorenen Generation". Wie sollen sich junge Menschen dabei fühlen, die trotz Krise ihr Bestes geben, zu Hause mit Computer lernen, Stundenpläne einhalten, Hausaufgaben machen, sich in der Situation zurechtfinden und ohne zu klagen das Beste daraus machen und sich auch noch um die Gesundheit der Alten sorgen? Sicher arbeiten nicht alle gleich gewissenhaft. Aber ist das im "normalen"Schulalltag anders?

Was die Sozialkontakte betrifft, ist das jetzt sicher ein großes Problem gerade für junge Menschen, aber sie lösen auch das mit elektronischen Begegnungen, die sie ja auch schon vor der Pandemie regelmäßig hatten. Man soll das nicht unterschätzen, das ist ja schon ihre Welt. Diese jungen Menschen heute sind vernünftiger, als wir glauben, und auch erwachsener, als ihre Eltern und Großeltern es noch in ihrem Alter waren. Hören wir auf, ihnen einzureden, dass sie eine "verlorene Generation" seien, und anerkennen wir ihre Leistung.

Dr. Christel Hirn,

per E-Mail

Dankbar sein für die
guten Seiten des Alltags

Bei allen momentanen und kommenden Einschränkungen, Unabwägbarkeiten und Verlusten lohnt sich ein Blick auf die unzähligen positiven Dinge, die wir haben und viel zu sehr als selbstverständlich erachten.

Im Wissen, dass nicht alles auf jeden zutrifft, seien wir dankbar für: unsere warme Wohnung, die warme Dusche, Handy, Festnetz, Internet, Radio und Fernsehen, dass wir im Frieden leben, unsere Meinung frei äußern können, nicht auf der Flucht sein müssen, gesunde Kinder und Enkelkinder haben, mit dem Hund spazieren gehen oder die Katze streicheln können, Essen in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, wir medizinische und psychologische Versorgung haben, wenn’s drauf ankommt, beten können, Zeitung und Bücher lesen und uns kreativ beschäftigen können.

Und das Wichtigste von allem: Seien wir dankbar für die menschlichen Verbindungen in den verschiedensten Schattierungen, für den Austausch mit Familie und Freunden - und sagen wir ihnen das auch! Blicken wir auf das halb volle Glas und genießen wir es, dann verringern sich automatisch die negativen Aspekte.

Beate Patry,

per E-Mail