Zum Gastkommentar von
Ingrid Thurner, 17. Dezember

Das Fortwirken
patriarchaler Strukturen

Ich muss Ingrid Thurner leider widersprechen. Nach über 30-jähriger Arbeit in der Jugendhilfe mit muslimischen und ex-jugoslawischen Jugendlichen ziehe ich eine andere Bilanz: Trotz Hilfe der österreichischen Institutionen bleibt eine unüberwindbare kulturelle Distanz insofern, als sich bis heute in diesen Gesellschaften kein 1968er-Aufbegehren ergeben hat und die patriarchalen Strukturen weiterhin unhinterfragt wirken können. Mich wundert, dass unsere weitgehende Befreiung aus dem Patriarchat bei vielen Migrationsexperten ein blinder wissenschaftlicher Fleck bleibt.

Mag. Alfred Zopf,

1130 Wien

Keine Vertretung für die Interessen der Kinder

Während für beinahe alle Gesellschaftsgruppen Hilfspakete geschnürt werden, weil ihnen eben zugehört wird, überhört man auch in Zeiten des dritten Lockdowns die Stimme der Kinder.

"Warum dürfen wir, die wir uns kaum anstecken, keinen ,Beitrag‘ zu den täglichen Infektionszahlen leisten, nicht in die Schule gehen? Es geht um unsere Zukunft. Nicht, dass wir zu Hause nicht lernen könnten - aber es gibt (besonders in den Städten) viele, die das aus verschiedenen Gründen nicht schaffen (können), und es lernt sich in der Gruppe und mit realer Unterstützung besser. Wozu gibt’s denn die Lehrer? Sie sind es, die uns als Vorbilder und Motivatoren von der Wichtigkeit des Stoffs begeistern. Wir fordern offene Schulen - und wenn es auch nur mit halber ,Besetzung‘ ist." So oder so ähnlich würde Janusz Korczak (1878 bis 1942), der "Vater der Kinderrechte", für die Kinder sprechen.

Es ist traurig, dass seit Beginn der Pandemie im Frühjahr noch immer keine Kindervertretung in der Ampelkommission sitzt. Oder zählt diese Gruppe gar nicht?

Andreas Fischer, Österreichische Janusz-Korczak-Gesellschaft