Zum Gastkommentar von
Rudi Dolezal, 19. Jänner

Die USA bleiben eine
stabile Demokratie

Rudi Dolezal hält also die Vereinigten Staaten für unregierbar. Da stürmen 300 gewaltbereite Chaoten das Capitol, während zigtausende Trump-Anhänger draußen friedlich Flaggen schwingen und keinerlei Anstalten machen, sich revolutionär zu engagieren - und Dolezal geriert sich als Sprachrohr der durch die Wahl gestärkten Demokratischen Partei, wie es sich in Amerika und anderswo für gutmenschliche Künstler gehört.

Dabei haben gerade die Ereignisse am 6. Jänner gezeigt, wie stark die Demokratie in den USA verwurzelt ist: Es gab keinen Coup, kein einziger Abgeordneter wurde verletzt, die Rowdys wurden rausgeworfen, ausgeforscht und verhaftet. Ihnen blühen langjährige Haftstrafen. Und die USA werden weiterhin die stärkste Demokratie der Welt bleiben, werden sehr gut regierbar sein, was auch der Rudi Dolezal (zähneknirschend) zugeben wird müssen.

FH-Prof. DDr. Ernst Soudek,

1010 Wien

Zum Artikel von Petra Tempfer,
15. Jänner

Wann ist eine akademische Arbeit ein Plagiat?

Die bevorstehende Universitätsgesetznovelle wird wohl weiter wichtige Themen nicht behandeln. Das Übel beginnt bereits mit der Bezeichnung von Prüfern als "Sachverständige", ohne dass klar ist, ob es sich um einen "allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen" oder eine Person handelt, die auf dem betreffenden Gebiet mit Habilitation, Promotion, Diplomarbeit oder Studienabschluss ausgewiesen ist.

Alle anderen möchte ich schon mangels Sachkenntnis rechtlich ausgeschlossen wissen, ganz abgesehen davon, dass gesetzlich klar zu definieren wäre, was eigentlich Plagiate sind. Denn die Umschreibung im § 52 Abs. 2 Univ. G. mit "Texten, Inhalten und Ideen" bietet keinen fixen Auslegungspunkt, sodass der Willkür oder dem persönlichen Gefühl des Prüfers auf der Universität oder der Fachhochschule Tür und Tor geöffnet sind.

Wann sind Texte wissenschaftliches Eigentum von Autoren und urheberrechtlich geschützt? Hier fängt die Crux an:

Wenn eine wissenschaftliche Lehrmeinung wiedergegeben wird, die als fachliches Allgemeingut bereits vorliegt, dann kann es dafür keine geistige Leistung eines Autors geben, sondern nur seine dazu verfasste persönliche Meinung. Ein Gleiches gilt für die Rechtsprechung.

Wo immer wieder Streitfälle auftauchen, ist die mehr oder weniger genaue Wiedergabe der genannten Formulierungen. Es ist mit aller Deutlichkeit zu sagen, dass nur eigene Lehrmeinungen oder wissenschaftliche Aussagen des bezogenen Werkes urheberrechtlich geschützt sein dürfen, nicht aber fachliches Allgemeingut. Dass eine Arbeit sprachlich holprig ist oder Aussagen enthält, die fachlich zu diskutieren wären, berührt nicht die Plagiatsfrage.

Dr. Heinrich Geuder,
1180 Wien