Drei Schülerinnen mit
ihren Familien abgeschoben

In den Berichten über die vor kurz em erfolgten Abschiebungen wird leider nicht erwähnt, dass die Familien bereits seit 2010 negative Asylbescheide erhielten, jedoch alle Rechtsmittel ausschöpften und sich mehrmals der Abschiebung entzogen. Natürlich kommen auf diese Weise viele Jahre unberechtigten Aufenthalts in Österreich zusammen. Die Länder, aus denen die Betreffenden kommen, sind keine Kriegsgebiete, es besteht also keine Gefahr für sie nach ihrer Rückkehr. Daher ist es nicht einzusehen, dass jetzt - vom Bundespräsidenten abwärts - so getan wird, als wäre ihnen Unrecht geschehen.

Dr. Margit Kraker,

1090 Wien

Zu späte Kritik des Bundespräsidenten

Bei aller Einsicht, dass ein Bundespräsident Alexander Van der Bellen eine Rettung für das Land zu diesen Zeiten ist, muss ich immer wieder feststellen, dass er an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten ist. Die Abschiebung mehrerer Kinder diese Woche ist ein Paradebeispiel dafür. Erst schweigt er tagelang, und erst als die Abschiebung eine vollendete Tatsache ist, empört er sich darüber. Wieso nicht vorher? Und wieso unternahm er nichts dagegen?

Gabor Kerenyi,

per E-Mail

Ende des Lockdowns bei strengeren Kontrollen

Die Corona-Diskussion zeigt deutlich die Interessengegensätze auf. Man kann diese auf Vorrang für gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben oder Vorrang für die Gesundheit eingrenzen. Ein dritter Weg könnte darin liegen, unter Einhaltung der vorbeugenden Kontaktregeln weitgehend zu öffnen. Entscheidend sind aber umfassende und breit angelegte Kontrollmaßnahmen, weil wir mittlerweile wissen, dass sich mehr als ein Drittel der Menschen nicht an diese Regeln halten.

Es darf nicht sein, dass diejenigen, die sich an Normen halten, immer die Dummen sind. Die Kontrollen müssen also engmaschig sein und unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsbehörden und Polizei durchgeführt werden. Und bei Zuwiderhandlung braucht es spürbare Strafen. Für ein solches Konzept benötigt man auch die Unterstützung von Politikern aller Ebenen, von Firmenchefs, von Vereinsobmännern, von hohen Verwaltungsorganen, von Eltern und so weiter, die motivieren, die Regeln einzuhalten. Ja, es ist ein Kraftakt, aber ein erfolgversprechender dritter Weg.

Mag. Harald Müller,
2102 Bisamberg

Impfstoffproduktion
durch staatliche Erzeuger

Angesichts der aktuellen Lieferprobleme stellt sich die Frage, wofür man profitorientierte Pharmamultis überhaupt benötigt. Die Erzeugung wichtiger Medikamente und Impfstoffe sollte stattdessen durch die öffentliche Hand erfolgen. Damit würde man auch den unwürdigen Wettlauf zwischen den einzelnen Staaten - bei dem hauptsächlich die Menschen in Afrika, Südasien und Lateinamerika das Nachsehen haben - beenden.

Dr. Heinz Högelsberger,

1190 Wien

Föderalismus in der Corona-Pandemie

Spätestens jetzt, angesichts des Umgangs mit der Corona-Pandemie im Allgemeinen und der Verteilung der (unverständlicherweise nicht ausreichend verfügbaren) Impfstoffe im Speziellen, müsste eigentlich klar sein: Die österreichische Variante von Föderalismus ist kontraproduktiv für das Allgemeinwohl.

Mag. Walter Ziegler,

2700 Wiener Neustadt

Bürgermeister zu
Unrecht in der Kritik

"Die Gemeinde soll tun! Der Bürgermeister soll machen!" Dieser Ruf ertönt immer dann, wenn es gilt, bei Problemen aller Art rasch Abhilfe zu schaffen - Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose, föderale Verwerfungen bei Kleinkindbetreuung und schulischer Nachmittagsbetreuung, bei der Durchführung von Corona-Massentests, bei der Pflege. Und dann das leidige Corona-Impfen.

Gesetzt den Fall, in einer Gemeinde würden sich auffallend wenige Menschen impfen lassen. Was wäre die Folge? "Die Gemeinde, der Bürgermeister hat versagt", würde es heißen. "Er hätte mit gutem Beispiel vorangehen müssen und sich öffentlichkeitswirksam als Erster impfen lassen müssen!" Die überwiegende Mehrheit der nun in der Kritik stehenden frühgeimpften Bürgermeister dürfte genau dieser Motivation und nicht dem Eigennutz gefolgt sein.

Dass ein Thema um die Spezies Bürgermeister so exorbitant hohe Wellen schlägt, ist auch ein Zeichen für die Bedeutung dieser Funktionsträger. Sie sind die einzigen Spitzenpolitiker, die für die Gemeindebürger haptisch greifbar sind.

Ernst Smole

8680 Mürzzuschlag

Die unentbehrliche Kraft
von Kunst und Kultur

Theater, Museen und Opernhäuser sind geschlossen, Chöre sind verstummt. Wie fehlt uns doch an Tagen wie diesen die Kunst und die Kultur! Man sollte nicht so tun, als wäre des Menschen Heil einzig und allein der wirtschaftlichen Macht im Land zu verdanken. Wie lange kann der Mensch auf die Kraft von Kunst und Kultur verzichten, auf ihre Fähigkeit, zu begeistern, zu beseelen und zu verzaubern?

Ingrid Serschen,

per E-Mail