Zu "Pro & Contra: Beihilfe zum
Suizid", 21. April

Respekt für die Wünsche
von Sterbewilligen

Von Gegnern der Sterbehilfe wird immer wieder das Argument ins Spiel gebracht, dass ein Sterbewunsch in Wirklichkeit nur ein Schrei an Angehörige oder die Öffentlichkeit sei, doch bitte die Lebenssituation zu verbessern. Erstens entspricht diese Argumentation einer groben Missachtung eines subjektiven Bedürfnisses: Dieses wird einfach umgedeutet. Zweitens missachtet diese Umdeutung die Lebenssituation des Sterbewilligen, die zumeist seit längerem unerträglich und medizinisch aussichtslos ist. Deshalb unterstelle ich den Gegnern, dass sie sich nicht in die, jede Lebensqualität vermissende und qualvolle, Lebenssituation des Sterbewilligen einfühlen können. Die Folgen müssen jene tragen, die sterben wollen, aber nicht dürfen.

Von einem modernen, demokratischen Staat erwarte ich, dass er das Freiheitsrecht jedes Individuums als oberste Maxime bei der Gesetzgebung sieht. Dies beinhaltet die Möglichkeit, jenen in der Palliativmedizin die Betreuung bis zum Sterben zu ermöglichen, wenn sie dies wünschen.

Otto Diendorfer,

4150 Rohrbach-Berg

Transporte der Nato
durch Österreich

Eine kleine, fast verschämte Meldung mit hoher Brisanz: Im Mai und Juni sollen 800 Nato-Fahrzeuge aus Deutschland durch Österreich in Richtung Slowenien und Ungarn (und dann vermutlich auch zurück) "eskortiert" werden, um dort Manöver genannte Kriegsspiele zu üben.

Ja geht’s denn noch? Als neutraler Staat wären wir nicht nur verpflichtet, ausländischen Truppen keine Erlaubnis zur Durchfuhr zu erteilen. Die Neutralität sollte zudem friedensstiftend und -ermöglichend wirken und keine militärischen Drohgebärden erlauben. Diese Transporte belasten zudem unsere ohnehin schändliche Verkehrsklimabilanz. Gleichzeitig werden im Regierungsprogramm enthaltene neutralitätsgemäße Maßnahmen wie die "Zivilen Friedensdienste" auf die lange Bank geschoben.

Dr. Herbert Peherstorfer,

1030 Wien

Vorbehalte der OeNB-Vizepräsidentin

In einem Kommentar in der "Financial Times" ("EU vaccine drama shows limits of ‚ever closer union‘, 22. April) schrieb Barbara Kolm ("President, Hayek Institute Director, Austrian Economics Center, Vienna, Austria"), die angeblich verfehlte EU-Impfpolitik sei ein "Fiasko", aus dem "wir" lernen sollten, dass die EU ein "Projekt der freien Menschen und der freien Märkte" sei, statt dem Ziel einer "immer engeren Union" zu folgen.

Es ist anzunehmen, dass es sich bei der Autorin um die gleichnamige Vizepräsidentin der Oesterreichischen Nationalbank handelt. In diesem Kurzkommentar attackiert Kolm nicht nur (zurecht) die Beschaffungspolitik der EU, sondern behauptet auch, dabei hätte die "zentralisierte EU den freien Handel beeinträchtigt", ihr Knie auf den Hals der Wirtschaft gesetzt (Anspielung!) und sich ihre besten Freunde zu Feinden gemacht. Als Horrorvision raunt sie, dass Brüsseler Beamte bereits von einer "Gesundheitsunion" träumten.

Nun stellt sich die Frage, inwieweit Kolm ihre Privatmeinung zur Weiterentwicklung der EU, die ihr natürlich zusteht, vor ihrer Position als OeNB-Vizepräsidentin verstecken kann beziehungsweise ihre "private Äußerung" mit ihrer offiziellen Funktion vereinbar ist: Als Teil des Systems der EZB hat sie deren Aktivitäten, die ja auf der Idee der "immer engeren Union" aufbauen, mitzutragen.

Ihre offenkundigen Vorbehalte dagegen sollte sie jedoch nicht in der international gelesenen "Financial Times" kundtun, da sie damit die Sinnhaftigkeit und Effektivität der Aktivitäten der EZB, die als wichtigste EU-Institution Krisenbekämpfung durchführt, ebenso in Frage stellt wie die Ernsthaftigkeit der österreichischen Unterstützung der EZB-Politik.

Kurt Bayer,

per E-Mail

Zum Gastkommentar von
Franz Schausberger und Hannes Schönner, 22. April

Das umstrittene Denkmal
für Karl Lueger

Der Artikel über Karl Lueger ist - im Kontrast zu vielen anderen Kommentaren zum Thema - endlich einmal eine Wohltat an Ausbalanciertheit! Man kann den Autoren nur gratulieren und hoffen, dass ihre Botschaft auch die übereifrigen, selbstherrlichen Zeloten und Denkmalstürzer erreicht.

Rudolf Belyus,

per E-Mail

Noch ein umstrittener
Name der Vergangenheit

Für "Aktionisten", die das Positive in Karl Luegers Wirken übersehen, hätte ich einen Rat: Da gibt es einen wirklichen, rabiaten Antisemiten, der auch ein "Denkmal" ist: Peter Rosegger heißt er.

Josef Resler,

1160 Wien

Das Menschenrecht auf
Schutz der Gesundheit

Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit und Schutz gegen Einflüsse, die dieses Recht einschränken. Herbert Kickl als Einpeitscher für die FPÖ beschneidet dieses Recht, indem er gegen sinnvolle Maßnahmen (Mund-Nasen-Schutz, Impfungen) im Kampf gegen die Pandemie angeht.

Es wäre die Aufgabe der Wähler, wenn schon andere Instrumente gegen diese populistische Tendenz nicht zur Verfügung stehen, der FPÖ bei Wahlen Grenzen zu setzen.

Dipl.-Ing. Alfred Hueter,

per E-Mail