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Sonja Panthöfer, 24. April

Sorgfältiger Sprachgebrauch formt Denken und Handeln

Den Artikel zu lesen empfehle ich, weil er zum Denken anregt. Was ich aber kritisiere, ist die zu liberale Einstellung des Kollegen Jürgen Trabant gegenüber unreflektiertem Sprachgebrauch. So geht etwa die unterschiedliche Bedeutung zwischen "anscheinend" und "scheinbar" verloren, wenn fast nur noch von "scheinbar" gesprochen wird, oder die unterschiedliche Bedeutung der Konjunktiva bei den verschiedenen Zeiten. Auch der Dativ verschwindet immer mehr.

Durch ungenauen Sprachgebrauch entstehen Missverständnisse. Denken beruht auf Sprache und Handeln auf Denken: Wer falsch spricht und damit falsch denkt, kann nur zufällig richtig handeln.

Em.OUniv.Prof Paul Kellermann,

9020 Klagenfurt

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Christian Ortner, 23. April

Globale Mindeststeuern
sind kein Steuerkartell

Gewiss sind Kartelle wettbewerbsverzerrend. Es ist aber in höchstem Maß unlogisch, eine Mindeststeuer als Steuerkartell zu bezeichnen. Es ist Aufgabe der Politik, Grenzen zu setzen, wenn sich herausstellt, dass eine Entwicklung mehr Schaden anrichtet, als die Freiheit nützen kann. Eine Mindeststeuer zieht ja nur ein unteres Niveau ein und verhindert nicht den Steuerwettbewerb. Wo dieser aber übertrieben wird, wird er ruinös. Die Freiheit mutiert zur Freibeuterei. Weltweite Mindeststeuern würden zu einem faireren Wettbewerb beitragen.

Dr. Stefan Malfèr,

1140 Wien

Auch Deutschland zieht
sich aus Afghanistan zurück

Die Nato erklärte Mitte April, dass sie ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen werde. Eine absolut richtige Entscheidung: Der Einmarsch der Amerikaner in Afghanistan war ein nicht zu Ende gedachter Schnellschuss als Reaktion auf den Terrorakt der Islamisten in New York 2001. Deutschland und andere westliche Länder sind gedankenlos mitmarschiert. Fazit nach 20 Jahren Krieg in Afghanistan: Außer Spesen und vielen toten Soldaten nichts gewesen, was vorhersehbar war.

Als Ende 2001 im Bundestag über den Afghanistan-Einsatz abgestimmt wurde, saß ich vor dem Fernseher. Mit Verwunderung nahm ich zur Kenntnis, dass die Mehrheit der Abgeordneten für die Entsendung deutscher Soldaten nach Afghanistan stimmte, wohl wissend, wie es dort der Sowjetunion ergangen war. Die Grünen hätten es verhindern können, taten es aber nicht.

Dr. Karl Hahn,

D-36469 Bad Salzungen