Zum Essay von Ulrich H.J. Körtner, 22. Mai

Glaube und Wissen liegen
oft nahe beieinander

"Hier deutet sich an, dass auch das moderne Wissen auf Glauben angewiesen bleibt." Auch jede Ärztin, jeder Arzt befindet sich ständig in diesem Konflikt, welcher wissenschaftlichen Quelle sie/er Glauben schenken soll. Davon abhängig sind die unterschiedlichen medizinischen Vorgehensweisen (konventionell-universitär und/oder komplementär), auch beim Thema der Impfungen.

Die einzelnen Regierungen stehen in der Zeit der Covid-Krise ebenso in diesem Dilemma, wenn es um die Auswahl der medizinischen Berater geht. Darin spiegeln sich die unterschiedlichen Herangehensweisen der Staaten bei der Bewältigung der Pandemie wider.

Dr. Rudolf Berghofer,

2540 Bad Vöslau

Zur Glosse von Gerald Schmickl, 22. Mai

Das alte Wienerisch
droht auszusterben

Wie ich meine, scheint die wunderbare phonetische Besonderheit des "Meidlinger L" nicht nur, wie Gerald Schmickl meint, bei den Jungen ausgestorben zu sein, sondern auch bei eigentlich allen österreichischen Radio- und TV-Sportkommentatoren und -innen. Dabei bildet dieser vokalisierende Konsonant den Schlüssel zu einer möglichst autochthonen Aussprache des Namens einer der besten Skirennläuferinnen der Gegenwart: der Slowakin Petra Vlhova.

Was man da im Zuge von Weltcup-Übertragungen alles an mehr oder weniger bemüht wirkenden Aussprache-Versionen zu Gehör bekommt, fügt einem typischen "waschechten Wiener" - dieser musste noch zur Zeit meiner Kindheit die berühmte böhmische Großmutter aufweisen, um als solcher zu gelten (ich erfülle dieses Kriterium!) - geradezu die sprichwörtlichen "körperlichen Schmerzen" zu.

Johann Ziegler,

3400 Klosterneuburg

Das Lueger-Denkmal sollte
zum Mahnmal werden

Nach meiner Meinung kann man Karl Lueger nicht als platten Antisemiten ansehen. Offenbar hatte er selbst nicht diese Einstellung, aber er benutzte sie. Moralisch ist das leider um nichts besser - oder sogar noch schlechter.

Insgesamt meine ich, dass das Denkmal bleiben und "kontextualisiert" werden soll. Zum Beispiel könnte man auf einer Seite die Verdienste Luegers für Wien, auf der anderen die fürchterlichen Folgen des Antisemitismus verdeutlichen. Denn Luegers Standbild müsste noch eine weitere Wirkung ausstrahlen: den unübersehbaren Hinweis auf das Fortleben des Antisemitismus in unserer Zeit und auch in der Zukunft (so pessimistisch bin ich leider). Dafür müsste das Lueger-Denkmal auch dienen, mit einer dritten Zusatztafel.

D.I. Ewald Pangratz,

1130 Wien