Zum Artikel von Bernd Vasari,
9. Juni

Die wirtschaftlichen
Vorteile der Kurzarbeit

Die Kurzarbeit bremst den Aufschwung? Davon kann keine Rede sein. Nach wie vor befinden sich knapp 40.000 Menschen mehr in Arbeitslosigkeit als vor der Krise, und die Jobs von 310.000 Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeitern wackeln. Eine volle Erholung des Arbeitsmarkts ist laut Prognosen erst für 2025 zu erwarten. Die Kurzarbeit bietet auch volkswirtschaftliche Vorteile: Unternehmen sowie Arbeitslose sparen sich Suchkosten, und die höheren Konsumausgaben der Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter kurbeln den Wirtschaftsaufschwung an.

Mattias Muckenhuber,

Momentum Institut

Zum Artikel von Hermann
Schlösser, 15. Mai

Eine neue Sicht auf
Wolfgang Borchert

Wolfgang Borchert wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Es ist der "Wiener Zeitung" nicht genug zu danken, dass sie das Jubiläum dieses herausragend sprachmächtigen Autors gewürdigt hat. Dass sie dies als einzige österreichische Tageszeitung getan hat, zeigt erneut, wie unverzichtbar sie ist.

Vieles in dem Beitrag von Hermann Schlösser ist treffsicher. Zu widersprechen ist allerdings der Behauptung, "Draußen vor der Tür" wäre Borcherts Hauptwerk. Borcherts Domäne, in der er in der ihm verbleibenden Zeit seinen Stil "voll ausfahren" konnte, ist die Kurzgeschichte. Hier sind es wiederum nicht primär jene in Schullesebücher gut einpassbaren Geschichten, sondern Werke wie "Die lange lange Straße lang", sein finales Antikriegs-Manifest "Dann gibt es nur eins" und das erst 2011(!) in die Gesamtwerksausgabe eingeflossene Fragment "Unser Pusteblumendasein".

Wie sein Roman "Persil bleibt Persil" ausgesehen hätte, wissen wir nicht - Borchert hat die "wunderhübsch gelbe Straßenbahn" in die Nachkriegszeit zwar erreicht, von der "keiner weiß, wohin" sie fährt, konnte aber nur sehr kurz mit ihr mitfahren.

Wolfgang Rehm,

1180 Wien

Pflicht zur Covid-Impfung
in manchen Bereichen

Der Staat hat die Pflicht einzugreifen, wenn das Verhalten Einzelner das Wohl anderer gefährdet. Wenn sich etwa jemand innerhalb der eigenen vier Wände "wegsäuft", hat dies den Staat nicht zu interessieren. Nimmt ein Alkoholisierter sein Fahrzeug auf öffentlichen Verkehrswegen in Betrieb, gefährdet er auch andere und wird vom Staat bestraft.

Unstrittig ist, dass Ungeimpfte eher eine Gefahr für andere Menschen darstellen als Geimpfte. Daher ist es plausibel und konsequent, in der aktuellen Situation, deren weitere Entwicklung nicht einschätzbar ist, vorsorglich eine Impfpflicht zu dekretieren. Betroffen macht, mit welcher Aggressivität die Impfpflicht abgelehnt wird - von der viel beschworenen Covid-Solidarität ist in dieser Frage kaum etwas zu spüren.

Prof. Ernst Smole,

1080 Wien